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Kryptowährungen Am Besten Erklärt 2021

Wer ist denn nun der wahre Bitcoin-CEO?

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Ein König blickt über das Spielfeld. Bild von Aaron Jacobs via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Weil es eine Frage im Gewinnspiel war, widmen wir uns heute dem Bitcoin-CEO. Gibt es einen Bitcoin-CEO, und wenn ja, warum, wer und wie viele? Oder gibt es bei Bitcoin Personen, die einen CEO-artigen Einfluss ausüben, aber nicht wirklich CEO sind?

Letztens haben wir hier ein Gewinnspiel veranstaltet, bei dem diejenigen ein Blockmagazin gewinnen konnten, die korrekt erraten haben, wer der Vorstandsvorsitzende von Bitcoin ist. Viele von euch haben mitgemacht, viele von euch haben tolle und richtige Antworten gegeben, und viele haben dadurch ein Magazin gewonnen. Weil die Frage aber generell relevant ist, werde ich sie hier etwas ausführlicher beantworten.

Dabei werde ich auch zitieren, was ihr mir per Email geschrieben habt. Wer sich in seiner Privatsphäre gestört fühlt, weil ich ihn oder sie hier mit Vornamen zitiere, schreibt mir bitte eine kurze Mail, dann werde ich den Namen durch einen anderen ersetzen.

Bitcoin.de ist nicht Bitcoin

Zunächst gab es ein paar von euch, die Marco Bodewein, Michael Nowak oder Oliver Flaskämpfer den Vorstand von Bitcoin genannt haben. Dies waren die einzigen wirklich falschen Antworten. Marco Bodewein ist tatsächlich ein Vorstand, aber nicht von Bitcoin, sondern von Bitcoin.de. Michael Nowak war mal Vorstand, Oliver Flaskämper Gründer von Bitcoin.de.

Da aber Bitcoin.de nicht Bitcoin ist, sondern lediglich der deutsche Marktplatz für Bitcoins, sind diese Details nicht allzu wichtig, und wir stehen wieder da, wo wir begonnen haben. Wer ist der Vorstandsvorsitzende?

Niemand und jeder

So gut wie jeder von euch hat die richtige Antwort gegeben: Niemand.

Peter: „Es gibt keinen Vorstandsvorsitzenden von Bitcoin“. Armin: „Bei Bitcoin gibt es keinen Vorstandsvoritzenden“, Viktor „Bitcoin hat keinen Vorstandsvorsitzenden“, Norbert und Ellen wortgleich: „Es gibt keinen Vorstandsvorsitzenden“.

Bitcoin ist, erklärt Stephan, „kein Unternehmen, folglich ist weit und breit auf ganzer Linie kein Vostandsvorsitzender aufzufinden, weil das System hinter Bitcoin lapidar gesprochen ein Programm ist!“ Bitcoin ist ein soziales System, ein Ökosystem, eine Währung. Aber ganz am Boden, dort, wo ein CEO wirken könnte, da ist Bitcoin einfach nur eine Open-Source-Software.

„Der Vorstand von Bitcoin ist NIEMAND“, bringt Reinhard auf den Punkt. Und wenn niemand CEO ist, sind alle CEO. „Der Vorstandsvorsitzende von Bitcoin – tataaaa – bin ich!“ meint Johannes, und Axel ergänzt: „Ich. Und du. Und wir. Das ist ja das schöne daran“.

Jeder und keiner, alle und niemand also. Wir sind ganz nahe dran. Aber ganz so einfach kommen wir nicht davon.

Macht durch tiefe Taschen

Schauen wir uns einige weitere, nicht ganz ernst gemeinten Antworten von euch an:

Thomas nennt Michael Saylor als Bitcoin-CEO, Alex den kürzlich verstorbenen John McAfee, „das weiß doch jedes Kind!“. Gerhard bringt PlanB mit der Anmerkung ins Spiel, dass der CEO alle vier Jahre wechsle und die Anforderungen an  diesen Job unveränderbar in der Blockchain hinterlegt seien, weshalb niemand außer Elon Musk ins Spiel komme. Peter hingegen tippt auf „Natürlich Craig Wright :-)))“

Was haben diese Ideen gemeinsam, außer, dass ihr sie ironisch im vollen Bewusstsein davon einbringt, dass sie falsch sind? Es handelt sich um prominente Personen im Bitcoin-Universum, die gleicher als gleich, mehr CEO als du und ich sind.

Michael Saylor, Elon Musk und vermutlich auch John McAfee sind (bzw. waren) Multimilliardäre, die sich ihre Taschen tief mit Bitcoins und, je nach Person, auch anderen Coins gefüllt haben. Als Großinvestoren sind sie mit Sicherheit gleicher als die anderen, da ihr Wort das Gewicht des Geldes trägt. Wenn ein Christoph Bergmann verkauft, juckt das keinen. Wenn ein Michael Saylor oder Elon Musk verkauft, stürzen womöglich die Märkte ein. Daher bekommen sie viel eher, was sie sich wünschen.

So hat beispielsweise Elon Musk den hohen CO2-Ausstoß des Bitcoin-Minings kritisiert. Daraufhin hat Michael Saylor zusammen mit ihm und Jack Dorseys Square den Bitcoin Mining Council gegründet, um Transparenz bei den Stromquellen der Miner zu schaffen und erneuerbare Energien im Mining zu befördern. Einige Monate später geschah genau das. Zusammen sind Saylor und Musk zumindest schon mal mehr CEO als wir.

Allerdings hat ihre Macht enge Grenzen, wie wir gleich sehen werden.

Keine Protokoll-Änderungen bei Bitcoin

Weder Elon Musk noch Michael Saylor sind in der Lage, Bitcoin zu ändern. Schon dass die beiden mit dem Mining Council versuchen, auf die Stromquellen der Miner einzuwirken, wird kritisch gesehen. Eine wie auch immer geartete Protokoll-Änderung dürfte auf entschiedenen Widerstand treffen, vielleicht sogar GERADE weil die beiden eine so große Bedeutung genießen und die Bitcoiner-Szene allergisch auf einflussreiche Individuen reagiert.

Während der Blocksize-Kriege haben Roger Ver, Jihan Wu und einige weitere chinesische Großinvestoren versucht, die Bitcoin-Entwickler dazu zu bewegen, das Blocksize-Limit zu lockern. Ihre Wallets hatten in dieser Zeit vermutlich sogar noch mehr Gewicht als die von Saylor und Musk heute. Aber sie sind damals gescheitert, und zwar krachend und niederschmetternd nach einem zähen, langen, ermüdenden Kampf.

„Einzig die Community könnte,“ erklärt Stephan, „und das auch nur bei 100% Zustimmung, eine Veränderung vornehmen. Ist die Zustimmung darunter, also 51-99%, wären Hard- und Softforks oder Sybell-Attacken die Folge!!!!“ Daher gebe es „auch keine wirklichen Veränderungen am Quellcode!“ Auch Marlene sieht es so: „Die Governance Struktur ist – zumindest relativ – dezentral gehalten … Man kann also allenfalls von einem ‚rough Consensus‘ ausgehen.“

Daher ist es so bezeichnend, dass Elon Musk mit den Dogecoin-Entwicklern zusammenarbeitet und diese wohl auch bezahlt. Wenn er nicht CEO von Bitcoin sein kann, dann immerhin CEO von Dogecoin.

Ähnlich bei Craig „Faketoshi“ Wright. Wäre seine Behauptung, Satoshi zu sein, wahr, hätte er vielleicht mehr als jeder andere das Recht, CEO von Bitcoin zu sein. Aber selbst dann bliebe fraglich, ob der Nimbus des genialen Gründers ausreicht, um in einem dezentralen Netzwerk mit vielen Polen und Schwerpunkten CEO zu sein.

Craig Wright hat aber nicht länger mit Bitcoin zu tun, sondern nur noch mit Bitcoin SV (BSV). Dort kann er wie ein CEO agieren. Das Ökosystem ist schmal und wenig dezentral, Craigs Stellung sozial und ökonomisch stark, und als inoffizieller Boss von nChain und unangefochtener Vordenker der Community hat er einen starken Einfluss auf den Code.

Man kann also schon CEO  von einer Kryptowährung sein. Aber eben nicht von Bitcoin. Oder?

Der Boss von Core als Bitcoin-CEO?

Wir haben eben die Unfähigkeit, das Protokoll zu ändern, als Indikator dafür benutzt, nicht CEO zu sein. Sind dann im Umkehrschluss diejenigen, die das Protokoll ändern können, CEO?

Das macht unsere Antwort relativ einfach: Wladimir van der Laan, Chefentwickler von Bitcoin Core, entscheidet mehr als jeder andere darüber, wie sich die Bitcoin-Software verändert. Ist er also der CEO?

Ich würde sagen: Am ehesten – aber dennoch nicht. Zum einen ist Bitcoin-Core nicht der einzige Client. Es gibt daneben etwa noch Bitcoin Knots, das der als stur bekannte Entwickler Luke Dashjr führt. Zum zweiten ist jede Änderung, die Wladimir van der Laan einführt, vollkommen transparent. Jeder bekommt es mit, wenn er etwas falsches macht. Und drittens tritt die Änderung im Netzwerk erst in Kraft, wenn die Miner und Full Nodes das Update auch eingespielt haben.

Sollte Wladimir von der Laan also eigenmächtig eine unbeliebte Änderung einführen, werden manche Nodes zu Knots wechseln, und seine Mitentwickler die Core-Software forken, um eine weitere Alternative anzubieten. Danach wird ein Social Media Kampf darum losgehen, welcher Bitcoin der richtige ist. Das kennen wir von den Blocksize-Kriegen. Es wird Twitter-Armeen geben, die Moderatoren von Foren, die Veranstalter von Meetups werden ihren Einfluss geltend machen, und am Ende werden die Börsen versuchen, in Übereinstimmung mit dem, was man vage „Community“ nennt, die richtige Entscheidung zu treffen, und die Miner werden keine andere Wahl haben, als den Coin zu minen, den sie zum höchsten Preis auf den Börsen verkaufen können.

In diesem merkwürdigen Kreislauf sind nicht alle gleich, und Wladimir van der Laan nimmt definitiv eine sehr spezielle, herausgehobene Stellung ein. Aber ein CEO? Ein echter CEO ist nicht auf eine Social-Media-Kampagne angewiesen, um in seinem Betrieb seine Wünsche durchzusetzen.

Damit taugt auch Wladimir van der Laan nicht wirklich als CEO.

Kein CEO, viele CEOs

Es bleibt am Ende nur, anzuerkennen, dass das Konzept eines „Bosses“, eines „Geschäftsführers“, einens „Vorstandsvorsitzendens“, „Präsidenten“, „Kanzlers“ und so weiter nicht in die Welt von Bitcoin passt. Einfluss und eine Stellung sind niemals zementiert; man kann sie kurzzeitig erringen, durch Leistung, vielleicht auch durch Manipulation der sozialen Medien.

Aber die Stellung erreicht nie die Willkür, wie sie ein CEO ausüben kann. Sie wird ständig neu geprüft und validiert oder falsifiziert. Wer die Gunst des dezentralen Ökosystems verspielt, verliert sie rasch. Die Bitcoin-Geschichtsbücher sind voll von solchen Leichen, die über die eigenen Füsse stolpernd ihren ehemals großen Einfluss über Nacht verspielt haben, weil sie ihre Macht überschätzt hatten. Diejenigen, die einflussreich bleiben, agieren mit Vorsicht, Demut und Zurückhaltung, und sie pflegen feine Antennen, was die Community tolerieren wird und wo sie eine rote Linie zieht.

Dies aber sollte man nicht mit einem egalitären System verwechseln. Nicht jeder ist CEO, und nicht alle sind gleich wichtig. Es gibt in Bitcoin mehrere Interessen- und Einflussgruppen – Miner, Börsen, Investoren, User, Entwickler – die eine Art Kreislauf der Macht bilden, in dem nur das gilt, was von Glied zu Glied wandern kann, ohne dass diese brechen. In jeder dieser Sphären gibt es Personen, die besonders einflussreich sind.

Vielleicht wäre die wahrste Antwort daher: Es gibt nicht den CEO, aber auch nicht keinen – sonder viele CEOs, die sich auf dezentrale Weise in Schach halten.


Quelle: BitcoinBlog.de

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