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Kryptowährungen Am Besten Erklärt 2021

Wenn die apokalyptischen Reiter wieder traben

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Die vier apokalyptischen Reiter. Gemälde von Vasnetsov Viktor (1887), fotographiert von Włodek Głażewski, geteilt via flickr.com. Lizenz: öffentliche Domäne

Klima, Blasen, Geldwäsche: In den letzten Wochen haben die Medien wieder viel Kritik an Bitcoin geübt. Wir werfen einen Blick auf einige Artikel, die die üblichen Vorwürfe an unsere liebste Währung aufkochen.

Geht es jetzt los? Beginnt nun der Moment, auf den alle warten, aber den keiner wirklich erreichen wollte?

Die Medien, Politiker und Fondsmanager unken schon seit 2011 gegen Bitcoin. Dabei hatten sie zuverlässig unrecht, und die Bitcoiner, die ihnen mal leise und mal laut widersprachen, hatten recht. Aber diesmal – diesmal wird es sicherlich anders sein. Diesmal werden die Medien, Politiker und Fondsmanager bestimmt recht haben, wenn sie dasselbe sagen wie seit 2011.

Aber von vorne und in aller Breite: Die letzten ein bis zwei Wochen haben mal wieder den einen oder anderen Artikel angespült, in dem gegen Bitcoin und Kryptowährungen agitiert wird. Solche Artikel erscheinen meist in Wellen, und gerade dann, wenn der Kurs Kapriolen macht, ist es gut, dass solche Artikel die Leute davor warnen, uninformiert Geld zu verbrennen.

Die Argumente sind seit jeher dieselbe. Aber es hat sich, scheint mir, etwas geändert. Früher trieften solche Artikel gerne vor Bespöttelung, Kleinrednerei, Verniedlichung. Heute riechen sie nach etwas anderem – nach Empörung, Ärger und Zorn, vielleicht sogar nach Furcht.

Wir werfen einen Blick auf den FUD der Woche (Fear, Uncertainty, Doubt).

Das Klima, das Klima, das Klima

Unter den apokalyptischen Reitern, die die Bitcoin-Gegner am Zügel führen, steht der Klimawandel an vorderster Stelle. Auf eben diesen steigt die Süddeutsche Zeitung auf, um zu fordern, die Welt möge Bitcoin bittesehr besteuern.

Die Argumentation ist nicht allzu kompliziert: Bitcoin hat zwar unheimlich an Wert gewonnen, doch dies “allein macht Bitcoin noch nicht zur Erfolgsgeschichte“. Denn nichts geändert habe sich an den technischen Schwächen, welche der Autor nicht ganz falsch und nicht ganz richtig, aber doch sehr konzise auf den Punkt bringt: “Je höher der Marktwert, umso höher der Stromverbrauch“. Mittlerweile verbrauche Bitcoin mehr Strom als Schweden, ja, eine eine einzelne Transaktion verbrenne soviel wie ein Single-Haushalt – in einem ganzen Jahr. Der Vergleich mag unsinnig sein, aber er klingt beeindruckend.

Und all das, wo man mit Bitcoin nicht „viel mehr“ machen könne, als die Coins zu horten. Die Kryptowährung bewege sich, erläutert die Süddeutsche, „auf Kollisionskurs zu sämtlichen Anstrengungen, den Klimawandel zu begrenzen“. Zwar verbrauche Bitcoin derzeit nur 0,6 Prozent der weltweit produzierten Elektrizität, räumt der Autor ein – und man möchte hinzufügen, ohne von der Landwirtschaft mit ihre Methan pupsenden Rindern auch nur zu reden, dass die Elektrizität nicht mal ein Sechstel des globalen Energieverbrauchs ausmacht – doch kann, prognostiziert die Süddeutsche, „dieser Wert schnell steigen“. Auch wenn also noch kein echter, sondern bestenfalls ein symbolischer Handlungsbedarf besteht, ist dringend etwas zu tun!

Ein weiteres Problem mit Bitcoin sei, dass die Miner auch einen unendlichen Hunger auf Mikrochips haben, aber die Fabriken in Asien nur begrenzt produzieren können. So kommt es dazu, dass die Chips aus chinesischen Fabriken in chinesischen Mining-Farmen landen, wo sie Hydroenergie in Bitcoins umwandeln, während nicht mehr genügend Chips übrigbleiben, die über die Weltmeere geschifft und in deutschen Elektroautos verbaut werden, um dort die deutsche Mischung aus Wind- und Kohlestrom zu verbrauchen. Mining treibt nicht allein den Stromverbrauch in die Höhe, sondern ruiniert noch die Mobilitätswende durch jene Konzerne, welche vielleicht mehr als alle anderen für die gegenwärtigen Probleme verantwortlich zu machen sind.

Die Miner könnten, meint der Autor, Bitcoin auf umweltfreundlichere Verfahren umstellen, womit er natürlich nicht die gebräuchliche Praxis meint, die Anlagen durch regenerative Energien zu speisen, sondern wohl eine Änderung des Konsensalgorithmus, die das Problem auf grundsätzliche Weise löst. Weil die Miner das der blanken Profitgier wegen nicht freiwillig machen – oder können -, will er ihnen „einen gehörigen Tritt in die richtige Richtung“ verpassen – und zwar durch Steuern. 

Steuern auf das Mining, Steuern auf den Umtausch von Bitcoins, Steuern für Herstellung von Mining-Anlagen, Steuern für deren Einfuhr: So kann der Staat „einen Teil der exorbitanten Gewinne in sinnvollere Dinge investieren.“ Welche sinnvollen Dinge China mit den so entstehenden Steuereinnahmen bezahlen soll – der Ertrag in Deutschland wird kaum nenenswert sein -, das verrät der Autor dem neugierigen Leser allerdings nicht.

Immerhin erkennt die Münchner Zeitung an, dass ein rein deutsches Vorgehen wenig Effekte hätte und verlangt, dass die Welt in Abstimmung vorgeht. 

Die Blase, die Blase, die Blase

Der uneingeschränkte Klassiker des Bitcoin-FUDs ist der Vergleich mit Tulpenzwiebeln und anderen Objekten von Spekulationsblasen. Dieses Programm tischt die Presse uns seit 2013 in schöner Regelmäßigkeit auf, allerdings ohne dass die horrenden Verluste, die uns prognostiziert wurden, jemals wahr geworden sind.

Nachdem sich die Medien mit den Katastrophen-Prognosen meist blamiert haben, wurde der Blasen-Reiter in letzter Zeit kaum mehr aus seinem Stall hervorgewagt. Doch das Manager Magazin zeigt die Courage, den alten Gaul einmal mehr zu satteln. Irgendwann muss seine Stunde ja kommen!

Die stark schwankenden Preise – die im April auf 65.000 Dollar sprangen, auf unter 50.000 fielen und dann wieder auf beinah 60.000 Dollar stiegen – seien ein glasklares Zeichen dafür, weiß das Magazin, dass Bitcoin „für eine solide Geldanlage nicht taugt.“

Schon die Preisentwicklung vor drei Jahren könne „rückblickend als Musterbeispiel für eine Spekulationsblase gelten, die zunächst aufgepumpt wurde, und die dann platzte“, erklärt das Magazin seinen Lesern. Falls sich unter diesen der eine oder andere darüber ärgert, nicht vor drei Jahren auf dem Gipfel der Blase bei etwa 14.000 Euro investiert zu haben, kann das Magazin beruhigen: “Vieles spricht dafür, dass sich das gleiche zurzeit am Kryptomarkt wiederholt“. Es wird also noch eine weitere Blase geben, falls wir das nicht falsch verstehen.

Dann vergleicht der Autor die Bitcoin-Blase mit der Dot-Com-Bubble. Die meisten Vergleiche hinken, und so auch dieser, wenn er etwa ignoriert, dass Bitcoin in dem Zeitraum, in dem sich die Dot-Com-Werte erholt haben – mindestens 10 Jahre – bereits vier bis fünf Blasen hingelegt hat, und dass sich die Verluste aus einer jeden davon nach spätestens drei Jahren in ein saftiges Plus korrigiert haben. Während die Opfer der ersten Telekom-Blase noch immer rund 80 Prozent im Minus sind, sind die “Opfer” der ersten Bitcoin-Blase, also diejenigen, die im Juni 2011 bei 20 Euro gekauft haben, nun mit einem Faktor im Plus, von dem wir gar nicht reden möchten.

Um dem hinkenden Vergleich auf die Sprünge zu helfen, holt der Artikel zu jenem Totschlaghammer aus, den wir in anderer Bemalung schon aus der Süddeutschen kennen: Bitcoin hat gar keinen echten Wert! Hinter all jenen Internetaktien, die vor 20 Jahren getrendet haben, etwa die “Volksaktie” Telekom oder Pets.com, standen „zumindest noch Unternehmen mit Geschäftsmodellen“, welche „auch starke Kurssteigerungen zumindest theoretisch rechtfertigen“ konnten. 

Bei Kryptowährungen dagegen – keine Spur eines solchen Potenzials, so sehr man auch hinschaut! „Selbst bei genauer Betrachtung“ lasse sich “kein substanzieller Wert” erkennen, weiß der Autor, der offenbar genauer geschaut hat als die Millionen von Marktakteuren, die in ihrer grenzenlosen Blindheit Bitcoin derzeit so hoch bewerten. Wenn die Realität nicht zur Theorie passt, dann muss die Realität halt falsch sein!

Und weil die falsche Realität irgendwann zurück zur richtigen Theorie kehrt, ist klar, was passiert: Die Blase wird platzen. Nicht ob, sondern wann sei die Frage.

Geldwäsche, Geldwäsche, Geldwäsche

Bisher hatten wir zwei Journlist*innen, die auch dann meinen, es besser zu wissen als Bitcoiner und die Märkte, wenn ihre Zunft in der Vergangenheit zu etwa 100 Prozent falsch lag. 

Als drittes haben wir nun einen Fondsmanager, der sich berufen fühlt, im Interview mit der WELT AM SONNTAG den dritten apokalyptischen Reiter ins Gefecht zu führen: Die Geldwäsche.

Klaus Kaldemorgen ist laut WELT ein “Star-Investor”, der für die DWS arbeitet, die eine Tochter der Deutschen Bank ist. Angesichts dieser Beheimatung dürfte Kaldemorgen wissen, wovon er redet. Schließlich versteht seine Mutterfirma, handfeste und großkalibrige Geldwäsche-Skandale zu produzieren.

Während derzeit die deutsche Finanzaufsicht BaFin von der Deutschen Bank strengere Maßnahmen gegen Geldwäsche verlangt, verlangt Starinvestor Kaldemorgen von der BaFin also strengere Maßnahmen gegen Kryptowährungen. Ist ja nur gerecht. Eine Hand wäscht – ihr wisst schon was: Es kann nicht angehen, erklärt Kaldemorgen der WELT, „dass sich in unserer sonst so regulierten Wirtschaft eine Lücke auftut, wo ungestraft und unerkannt Geldwäsche betrieben“ könne.

Darüber hinaus beklagt Kaldemorgen, dass keiner wisse, wem wie viele Bitcoins gehören, was die Märkte anfällig für Manipulationen machen. Erneut drängt sich das Bild des Pfahls auf, der im Auge desjenigen steckt, der anderen den Splitter aus dem Finger ziehen will. Kaldemorgen ist jedoch optimistisch, dass die Regierungen in aller Welt bald die Schrauben anziehen werden – allein schon deswegen, weil dies potenziell Steuereinnahmen in nicht geringer Höhe verspricht.

Ins selbe Horn blässt jüngst die WirtschaftsWoche. Die Zeitschrift demonstriert dabei zwar mehr inhaltliche Kompetenz, verzichtet aber freilich darauf, sich die schon vorher beschlossene Botschaft trüben zu lassen.

Bitcoin sei „weiterhin fest in den Schmuddelecken der Finanzwelt verankert“, stellt die Autorin fest. Dies beweise sich etwa dadurch, dass Bitcoin kurzzeitig um 15 Prozent gefallen sei, just zu der Zeit, als Joe Biden ankündigte, künftig schärfer gegen Geldwäsche vorzugehen. Keine weiteren Fragen, Euer Ehren!

Weil der Handel „weitgehend anonym“ vonstatten gehe, stehe Bitcoin immer wieder im Zentrum von Straftaten, etwa bei Ransomware, erklärt der Artikel. Hoch anzurechnen ist der Autorin nun, ganz unironisch, dass sie die Augen nicht vor der anderen Seite verschließt: Sie merkt an, dass Bitcoin extrem transparent ist, und dass laut Chainalysis „gerade mal 0,34 Prozent des Gesamtwertes aller Krypto-Transaktionen“ illegalen Zwecken dienten – und dass beim Dollar der Anteil mit zwei Prozent beinah sechs Mal höher liegt.

As Leser fürchtet man nun, der Artikel würde an dieser Stelle eine Wende nehmen, ähnlich der, welche der ehemalige CIA-Direktor Michael Morell vollführte, um mit diesem zu sagen, dass Bitcoin für Kriminelle das schlechteste Ökosystem sei, das man sich vorstellen könne, und dass ein Wechsel von Dollar zu Bitcoin zahlreiche Verbrechen ausrotten könne. Und während man noch einmal hoch scrollt, um zu prüfen, ob man das Fragezeichen in der Überschrift “Bitcoin bleibt schmutzig” übersehen hat – währenddessen schließt die Autorin ihren Artikel vollkommen ungerührt von diesem klaffenden Widerspruch ab.

Hutab! Denn ein Autor, der nicht bereit ist, sich selbst zu widersprechen, produziert nur tote Texte für gedankenlose Leser! 


Quelle: BitcoinBlog.de

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