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Kryptowährungen Am Besten Erklärt 2021

Und der große Gewinner ist … der Dollar!!

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US-Präsident Richard Nixon 1972 im Fernsehen. Bild von Jessica Fiese-Hill via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die Auflösung von Bretton Woods ist nunmehr 50 Jahre her. Seitdem ist Geld nicht mehr durch Gold geerdet. Eine Webseite zeigt die scheußlichen Folgen dieser monetären Revolution. Doch den Status des Dollars als Leitwährung schädigte dies nicht. Im Gegenteil. Auch aus der nächsten monetären Revolution kann der Dollar als Gewinner hervorgehen. Dazu tragen nicht zuletzt die Stablecoins bei.

Vergangenen Sonntag war es 50 Jahre her, dass US-Präsident Richard Nixon die Goldbindung des Dollars im Rahmen des Systems von Bretton Woods aufgehoben hat. Zuvor waren 35 Dollar gegen eine Unze Gold konvertierbar, und die meisten globalen Währungen standen in einem fixen Kurs bzw. Korridor zum Dollar. Wie ein schweres Pendel erdete Gold den Wert der Währungen.

Das hörte 1971 auf. Geld wurde zu Fiatgeld. Es schwebte frei in der Luft, auf Gedeih und Verderben von der Politik abhängig. Eine Unze Gold kostet heute 1789 Dollar, also 50 Mal so viel wie bis 1971.

Anlässlich von einem halben Jahrhundert Fiatgeld tweetet Twitter-Boss Jack Dorsey „#wtfhappenedin1971“. Manche rabiaten Bitcoin-Kritiker, wie etwa Stephen Diehl, ärgerte das so arg, dass sie Kaskaden an Beleidigungen richtung Jack feuerten: Der Twitter-CEO verbreite „Goldbug-Verschwörungstheorien“, er sei nur noch einen Schritt vom „QAnon-Irrsinn“ entfernt; sobald Leute in den Krypto-Kaninchenbau fielen „enden sie damit, vollkommen irrationale Dinge zu sagen, die ein vernünftiger Erwachsener niemals sagen würde.“

Und das alles, weil Jack Dorsey fragte, was zum Teufel 1971 geschehen ist? Wie berechtigt die Frage ist, zeigt die Webseite wtfhappenedin1971.com. Sie führt in einer Flut von Charts vor, welche Folgen das Jahr 1971 hatte. Die Charts wirken wie ein ökonomisches Gruselkabinet:

Ab 1971 entkoppelte sich das Wachstum der Löhne von der Produktivität. Seitdem stagniert oder sinkt das inflationsbereite Einkommen der Arbeiter. Da allerdings das Einkommen der Reichen und Superreichen stärker steigt als je zuvor, nimmt die Ungleichheit rapide zu.

Für diejenigen, die nicht zum obersten einen Prozent gehören, vor allem die Mittelschicht, wird es seitdem immer enger: Strom und Nahrungsmittel werden, gemessen am Einkommen, immer teurer. Arbeiter müssen immer mehr Stunden arbeiten, um ein S&P-500-Papier zu kaufen, immer mehr Jahre sparen, um ein Haus zu finanzieren, und sie können immer weniger für das Alter zurücklegen. Die private und staatliche Schuldenquote explodiert, es kommt immer häufiger zu verheerenden Finanzkrisen.

Und so weiter. Ob und wie wahr diese vielen Diagramme sind, kann ich nicht beurteilen. Sie entsprechen aber den Erfahrungen, die ich vom Hörensagen kenne, den Erkenntnissen aus alternativen Inflationsindizes wie dem Gold-Wiesnmass-Index sowie den vielen Kurven, die der linke Ökonom Thomas Piketty in seinem Buch über das Kapital ausbreitet.

Wenn die Charts auch nur zu einem Viertel wahr sind, zeigen sie, dass sich wirtschaftlich in den USA seit 1971 fast alles verschlechter. Die Wirtschaft wächst zwar rasant, und die Produktivität nimmt zu – doch die absolute Mehrheit der Menschen wird nur ärmer. Muss man wirklich ein Goldbug mit irrsinnigen Verschwörungstheorien sein, um zu fragen: Was zum Henker läuft da so gewaltig schief?

Keine Verschwörungstheorie – eine Katastrophe in Zeitlupe

Die Erklärung, die die Webseite und auch Jack Dorsey vorschlagen, ist natürlich, dass das Fiat-Geld die Ursache allen Übels war – und dass Bitcoin die Lösung ist.

Nachdem der Dollar nicht mehr an Gold gebunden war, bewegte er sich im luftleeren Raum. Geld wurde und wird aus quasi nichts geschaffen. Der Cantillon-Effekt führt dazu, dass nicht alle gleichermaßen von der Geldflut profitierten, sondern vor allem die, die näher an den Notenpressen sitzen. Daher steigert sich die Ungleichheit. Das Geld strömt auf die Finanzmärkte, wo es die Finanzelite immer reicher macht, während alle anderen von Glück reden können, wenn ihr Geld auf dem Bankkonto nicht zuviel an Wert verliert.

Es gibt eine große Menge von Literatur, vor allem aus der Österreichischen bzw. neoklassischen Ökonomie, die erklärt, weshalb eine ungedeckte Währung sowie Inflation zu wirtschaftlichen Verwerfungen führen. Ökonomen wie Hayek oder von Mises wären nicht darüber überrascht, was seit 1971 geschieht. Sie haben all das immer wieder vorausgesagt.

Der Effekt läuft seit 1971, spitzt sich langsam aber auf eine Weise zu, die Zweifel am Forterhalt der westlichen Demokratie und Freiheit aufkommen lässt. Nehmen wir das Thema Hauskauf: Wie lange muss an durchschnittlicher Amerikaner sparen, um ein Haus zu kaufen? 1970 waren es in den USA 2,4 Jahreseinkommen, 2020 6,9. Wenn wir die aktuellen Immobilienpreise in Deutschland anschauen und das durchschnittliche Einkommen von knapp 50.000 Euro hierzulande – dann erscheinen 6,9 Jahre traumhaft. Realistischer sind, je nach Region, eher 10-15 Jahre.

Die Immobilienpreise bzw. die Inflation der Vermögenspreise haben mittlerweile ein Niveau erreicht, dass es für einen Großteil der Bevölkerung unmöglich macht, sich eine Immobilie zu kaufen. Wenn, dann wird dafür eine enorme Verschuldung notwendig sein. In ähnlicher Intensität spiegeln die Preise von Aktien, Lebensmitteln und Strom diese Entwicklung auf anderen Feldern.

Alles wird effizienter und produktiver – aber die Arbeit reicht für immer weniger. Die Frage, was zum verfluchten Teufel nochmal vor 50 Jahren passiert ist, ist keine „Verschwörungstheorie“ wie Bitcoin-Kritiker Stephen Diehl meint – sie ist eine Notwendigkeit! Man muss sie stellen. Und man muss über sie wütend werden.

Warum überlebte der Dollar den Nixon-Schock?

Der Wirtschaftshistoriker Niall Fergueson beschreibt in Bloomberg am Sonntag etwas differenzierter, was vor 50 Jahren geschah. Nach Nixons berühmter Fernsehansprache am 15. August 1971 dämmerte die Ära des Fiatgeldes – eine „Währung, die durch nichts anderes gedeckt ist als die Vertrauenswürdigkeit des US-Finanzministeriums.“

Natürlich handelte Nixon nicht ohne Grund. Schon zuvor befand sich der Dollar in einer Krise: „Die Inflation zog an. Das Budget-Defizit war besorgniserregend. Die Handelsdefizite nahmen zu. Wettbewerber aus Asien und Europa untergruben die ökonomische Führung der USA.“ Zudem kämpfte die US-Regierung gerade damit, einen unbeliebten und teuren Krieg in Vietnam zu beenden. Mit der Auflösung der Goldbindung, erklärte Nixon damals, „beginnt eine neue Wirtschaftspolitik der USA.“ Sie solle Arbeitslosigkeit, Inflation und internationale Spekulation bekämpfen.

Viele Beobachter waren damals extrem skeptisch. Wie Ferguesson erzählt, haben zahlreiche Berater versucht, den Präsidenten von dem Schritt abzuhalten. Nachdem Nixon ihn verkündet hatte, urteilte etwa Henry Brandon, der Washington-Korrespondent der London Sunday Times, dass dies der „Moment des formalen Thronsturzes des Allmächtigen Dollars“ war.

Doch – er war es nicht. Ein halbes Jahrhundert später sei es, meint Ferguesson, am überraschendsten, was der sogenannte ‚Nixon Schock‘ eben nicht das Ende der Dollar-Dominanz einleitete. Im Gegenteil, die Währung der USA wurde seitdem nur noch bedeutender.“ Warum?

Die Erklärungen, die der Wirtschaftshistoriker liefert, sind eher spekulativ. In der Folge wertete erst der Dollar ab, doch die meisten anderen Ökonomien folgten. Die 70er Jahre wurden „eine Horror-Show der zweistelligen Inflationsraten.“ Doch wie es schien, konnten die Staaten mit der Inflation umgehen. Das ist der erste Grund. Der zweite ist, dass der Dollar durch die liberalisierten Märkte nach 1971 international noch nützlicher wurde als zuvor. „Als die dominante Währung nicht nur in den internationalen Reserven der Zentralbanken, sondern auch in einer zunehmenden Anzahl internationaler Handelstransaktionen, wurde der Dollar mehr denn je zur Sonne, um die herum sich die anderen Währungen der Welt drehten.“ Und drittens entdeckte die US-Regierung nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 die Finanzsanktionen als Instrument der Außenpolitik. Auch dies gab dem Dollar mehr anstatt weniger Kraft.

Aber ob das den Preis wert war? Wie wäre die Geschichte ohne 1971 verlaufen? Wie wäre es gewesen, wenn das Geld der Welt weiterhin durch Gold gedeckt wäre?

„Der amerikanische Weg ist es, Innovation zuzulassen.“

Ferguesson biegt an dieser Stelle Richtung Kryptowährungen ab. Er meint, dass digitale Währungen wie Bitcoin, aber auch Stablecoins, die logische Folge dieser Entwicklung sind. Die Welt gehe derzeit durch eine monetäre Revoltion, die ebenso profund sei wie die Abschaffung des Goldstandards. Daher auch die Überschrift des Artikels: „50 Jahre nachdem er das Gold abgeworfen hat, muss der Dollar Platz für Krypto machen.“

Aber ganz so radikal meint Ferguesson es nicht. Vielmehr ist er überzeugt, dass die USA keine andere Wal haben wird, als mit dieser Revolution mitzugehen – und zwar nicht trotz, sondern für den Dollar. Nicht Bitcoin gefährde die global starke Stellung des Dollars, nicht einmal, wenn Leute beginnen, Preise in Bitcoin anzugeben. Die größte Bedrohung sei vielmehr eine krypto-feindliche, übertrieben gründliche Regulierung, die drohe, die Branche in ein anderen Land zu vertreiben. Die USA müsse, so Ferguesson, das Zentrum von monetärer Innovation bleiben.

Wenn sich die USA dagegen darauf einlasse, mit China darum zu konkurrieren, die beste digitale Währung einer Zentralbank herausgeben, also die beste Währung der Unfreiheit, könne sie nur verlieren. „Der amerikanische Weg ist es, Innovation zuzuassen.“Und die beste Strategie, die Dominanz des Dollars zu erhalten, ja, auszubauen, sei es, „die internationale Verbreitung von an den Dollar gebundener Stablecoins zu fördern, anstatt sie einzustampfen.“

Während das Internet des Geldes wachse, sei der Dollar in einer starken Stellung, um zum globalen Vehikel des Ein- und Ausstiegs zu werden.

Stablecoins machen Dollar stark

Diese Argumentation ist auf den ersten Blick überraschend. Wilde, unregulierte Stablecoins – ein Gewinn für den Dollar? Tether, Circle, DAI machen die Arbeit für die FED und das US-Finanzministerium? Unmöglich, oder?

Aber wenn man darüber nachdenkt, trifft es zu. Die Stablecoins – ob Tether, Dai oder USDC – haben den Dollar sehr viel stärker gemacht. Sie haben die Dominanz von Bitcoin auf den Kryptomärkten gebrochen. Solange alle Börsen ein Bankkonto gebraucht hatten, um Dollarpaare zu handeln, haben die umsatzstarken, innovativen Altcoin-Börsen in der Regel Bitcoin zu ihrer Basiswährung gemacht. Seit es Tether gibt, brauchen diese Börsen keine Bank mehr, um den Dollar zu handeln. Dadurch wurde der Dollar wieder die Leitwährung der Kryptomärkte.

Dasselbe sehen wir in den extrem explosiven DeFi-Märkten. Dort spielen Banken keine Rolle, wenn Kredite vergeben, und Börse keine, wenn Token getauscht werden. Aber was weiterhin da ist, ist der Dollar. Die wichtigste Währung in DeFi sind USDC und Tether, teilweise DAI-Dollar. Wie selbstverständlich geben alle DeFi-Plattformen die Gewinne und Zinsen in Dollar an, und selbstverständlich rechnen die Wallets die Kosten für eine Transaktion in Dollar aus.

Der Dollar war bereits vor den Stablecoins die mächtigste Fiat-Währung in Krypto. Aber Euro oder Remnimbi waren zumindest relevant. Erst die Stablecoins haben alle anderen Währungen fast vollständig irrelevant gemacht. Versuchen Sie mal, in DeFi Euro zu tauschen oder zu verzinsen. In China und Asien wird der Krypto-Handel in den letzten Jahren immer mehr von Tether und USDC beherrscht, während in Entwicklungsländern die Börse Paxful mit Paxos Standard einen Dollar-Stablecoin bereitstellt.

Man kann sich kaum gegen diese Einsicht stemmen: Die Stablecoins machen den Dollar noch viel stärker, als er ohnehin schon ist. Man könnte meinen, nicht die wertmäßige Schwäche sei das große Problem des Dollars gewesen, sondern die Banken. Nun, befreit von ihnen, schreitet der Dollar vielleicht in die Blütephase seiner Existenz.


Quelle: BitcoinBlog.de

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