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Rückblick auf die „Bitcoin Amsterdam“ Konferenz – Top oder Flop?

Okt 17, 2022

In der vergangenen Woche fand vom 12. bis zum 14. Oktober die „Bitcoin Amsterdam“, die bis dato größte Bitcoin-Konferenz Europas statt. Diese sollte als Pendant zur großen Bitcoin Konferenz in Miami das europäische Publikum anlocken. Da das Event in Amsterdam ebenfalls eine Veranstaltung von Bitcoin Magazine (BM) war, durfte man sich sowohl auf eine professionelle Organisation als auch ein hochkarätiges Speaker-Line-up freuen. Wo sind die Unterschiede und wo Gemeinsamkeiten zur „großen Schwester“ in Florida? Das Team von Blocktrainer.de war für drei Tage in Holland, um sich selbst ein Bild vor Ort zu machen.

Organisation und Venue – Top!

Als Veranstaltungsort wurde das ehemalige Industriegelände von Westergas gewählt, welches Ende des 19. Jahrhunderts erbaut wurde und damals die Heimat der größten Gasfabrik der Niederlande war. Wie zu erwarten war, hat das Orga-Team von Bitcoin Magazine den ohnehin schon tollen Veranstaltungsort noch etwas aufgepeppt und Europas größter Bitcoin-Konferenz somit definitiv einen würdigen Rahmen verliehen. Man merkte an nahezu jeder Ecke und jedem Ende des Events, dass das BM-Team mittlerweile einiges an Expertise für die Organisation solcher Konferenzen aufbauen konnte.

Das Westergas-Gelände. Quelle: mecanoo

Es war von vorn bis hinten hochgradig professionell geplant und durchgeführt und alles lief mehr oder minder problemlos ab. Auch auf einige Sonderwünsche von Speakern bezüglich der Technik oder anderen Dingen, wurde in der Regel eingegangen und versucht diese umzusetzen. Apropos Technik: Was das technische Equipment vor Ort, die Bühnengestaltung und die Videoproduktion für Livestreams und Videos vor Ort betrifft, hat das BM-Team ebenfalls keine Kosten und Mühen gescheut. So wurde beispielsweise das Innere des alten Gastanks auf dem Gelände zum Raum für die größte der insgesamt drei Bühnen gemacht. Zahlreiche Lichteffekte, große Bühnenmonitore und mehr als 1000 Sitzplätze lieferten durchaus ein beeindruckendes Bild ab. Einzig die Akustik war in dem leeren Tank leider nicht sonderlich gut, allerdings noch in einem angemessenen Rahmen.

BTC Amsterdam MainstageBTC Amsterdam Mainstage
Die Main-Stage im Inneren des Gastanks.

Pay with Bitcoin – Top!

Während man im April bei der großen Konferenz in Miami an vielen Service-Ständen entweder gar nicht mit Bitcoin bezahlen konnte, oder sogar einen Aufpreis zahlen musste, war dies in Amsterdam anders. An allen Food-Trucks, Getränke-Ständen und Merchandise-Shops konnte mit On-chain Bitcoin und Lightning bezahlt werden. Möglich gemacht hat dies eine Partnerschaft mit dem Zahlungsdienstleister IBEX Mercado, der sich um die Abwicklung der BTC-Zahlungen kümmerte und dies mit Bravour tat.

Egal, ob via QR-Code Scan oder NFC-Karte, die Bitcoin-Zahlungen liefen durchweg reibungslos ab und es kam nur sehr vereinzelt zu Problemen, was bei tausenden prozessierten Zahlungen auch nicht wirklich verwunderlich ist. In der Regel waren diese auch immer auf einen Anwenderfehler des Zahlenden zurückzuführen und nicht auf Probleme bei der Infrastruktur von IBEX.

Die mittlerweile zum Standard-Repertoire einer jeden (guten) Bitcoin-Konferenz gehörenden Lightning-Beertaps von FULMO waren ebenfalls vor Ort und ein beliebter Treffpunkt für kurze oder längere Gespräche bei einem kühlen Bier.

Auch diese Bierzapfanlagen sind mittlerweile zur Unterstützung von NFC-Zahlungen aufgerüstet worden. Smartphone oder Karte an das Lesegerät tippen, Becher unter den Zapfhahn halten und warten, bis dieser gefüllt ist – So einfach kann das Bezahlen mit Bitcoin sein!

BeertapBeertap
Die Lightning-Beertaps von FULMO

Bitcoin Community – Top!

Das Schönste an solchen Veranstaltungen ist in der Regel der Austausch mit Gleichgesinnten, das Wiedersehen von Freunden und Bekannten und das Kennenlernen von neuen Leuten, die ebenfalls Bitcoin im Herzen tragen. Da insgesamt etwa 3.000 Personen vor Ort waren, boten sich zahlreiche Gelegenheiten zum Gespräch mit anderen Bitcoin-Enthusiasten. Für viele Anwesende waren tatsächlich das „Drumherum“ und die anregenden Unterhaltungen auch der Hauptgrund für die Reise nach Amsterdam.

Talks und Panels – Tops und Flops!

Nun aber zumindest teilweise erst einmal genug der lobenden Worte. Was die Konferenz in Amsterdam beispielsweise von der BTC22 in Innsbruck unterschied, war die Tatsache, dass in Österreich nur Personen auf der Bühne waren, die auch inhaltlich etwas Interessantes beizutragen hatten und für die Konferenz einen Mehrwert lieferten. Es wurden keinerlei Speaker-Slots verkauft und Wert auf Qualität gelegt. „Wer bezahlt, darf auf die Bühne“ – das war (leider) eines der Mottos in Amsterdam, weswegen viele Talks und Panels Werbeveranstaltungen glichen und oft zu inhaltsleer waren.
Natürlich gilt das bei Weitem nicht für alle Personen auf der Bühne. Es waren auch zahlreiche Speaker vor Ort, die tatsächlich etwas für das Bitcoin-Ökosystem tun und etwas zu berichten hatten. Auch unser Kanalgründer Roman Reher, war beispielsweise bei einer Diskussion auf der Bühne, bei der über unterschiedliche Herangehensweisen von Content Creatorn im Bitcoin Bereich diskutiert wurde. Moderiert von Peter McCormack und zusammen mit Lina Seiche, Aubrey Strobel und Layah Heilpern ging Roman einigen Fragen auf den Grund, die sich Influencer im Bitcoin Bereich stellen müssen. Wie sieht das durchschnittliche Publikum aus? Wie geht man mit Kritik um? Gibt es Themen, die man meiden sollte? Diese und weitere Fragen wurden im Rahmen des Panels auf der Bühne beantwortet.

Roman spricht auf dem Panel über die „Bitcoin Audience“.

Für viele der wohl umstrittenste Gast auf der Bühne war der radikalliberale britische Politiker Nigel Farage, der als prominenter EU-Kritiker und Rechtspopulist gilt. Einem (rechten) Politiker wie Farage im Rahmen einer großen euorpäischen Bitcoin Konferenz wortwörtlich eine Bühne zu bieten, kritisierten zahlreiche Bitcoiner bereits im Vorfeld der Veranstaltung.

„Ich gratuliere. Das ist die dümmste Aktion, die ich seit Langem gesehen habe.
Zumindest für mich geht es dabei aber nicht um die politische Richtung dieses Mannes (obwohl ich denke, dass er ein rechtsnationaler Schwindler ist). Es geht um die Überwindung dieses politischen Schwachsinns und seiner Politiker insgesamt. Bitcoin braucht keine Ideologie. Dieser Typ hat nicht mehr als das zu bieten.“

Einer von vielen kritischen Kommentaren unter der Ankündigung bei Twitter

Nigel FarageNigel Farage
Peter McCormack interviewte Nigel Farage auf der Hauptbühne bei der Bitcoin Amsterdam.

Auch wenn sich der Politiker während seines Gesprächs weitestgehend mit populistischen Äußerungen bedeckt hielt, gab es bei den anschließenden Diskussionen auf dem Innenhof der Veranstaltung, dennoch viele Personen die seine Bühnenpräsenz auf einer dedizierten Bitcoin-Veranstaltung für unangebracht hielten. Wiederum gab es aber auch viele Personen, die seine Weltsicht schätzen und froh waren, ihnen dort vorzufinden. Er spaltete in jedem Fall die Meinungen und Gemüter.

Ausstellung – Tops und Flops!

Einer der häufigsten Kritikpunkte, im Nachgang der Miami-Konferenz, war unter anderem die Tatsache, dass in der Ausstellungshalle von den Organisatoren gewissermaßen kaum gefiltert wurde, wer ausstellen durfte und wer nicht. Zahlreiche Shitcoin-, Trading-, AI-, Preisvorhersage- und andere sinnlose Unternehmen, die auf einer Bitcoin-Konferenz eigentlich nichts zu suchen haben sollten, füllten die Halle. In Amsterdam waren natürlich deutlich weniger Aussteller präsent und auch die Mischung zwischen „legitimen“ Bitcoin-Firmen und dem unnützen Rest war deutlich ausgewogener. Gleichwohl gab es auch in Amsterdam einige Aussteller, die es in Innsbruck nicht einmal ins E-Mail-Postfach des Veranstalters geschafft hätten. Schade, aber das sollte bei Veranstaltern, die tatsächlich dem Bitcoin-Ethos gerecht werden wollen, eigentlich ein No-Go sein.

Kommerzialisierung – Flop!

Die Kommerzialisierung und Ausschlachtung des Events als „Cash Cow“ für das Bitcoin Magazine war leider omnipräsent. So war es nicht verwunderlich, dass man beispielsweise bereits für einen kleinen Pappbecher voll heißem Wasser und einen Teebeutel 3€ bezahlen musste. Der Zweck des Events war eben primär das Geldverdienen. Nachdem bereits die Tickets schon relativ teuer gewesen sind, Dutzende Sponsoren große Summen geblecht hatten, Speaker Slots verkauft wurden und ein lukrativer Deal mit dem Zahlungsdienstleister IBEX eingegangen wurde, hätte man wenigstens beim Catering etwas auf die Preis-Bremse treten können. Schade!

Es ist klar, dass die Ausrichtung eines solchen Events hohe Kosten mit sich bringt und dass der Veranstalter natürlich auch etwas daran verdienen möchte, ist vollkommen legitim. Trotzdem wurde man das Gefühl nicht los, dass nicht Bitcoin, sondern eher die Brieftasche des BM der Hauptgrund für die Ausrichtung der Amsterdamer Konferenz war. Dies ist aber lediglich das subjektive Empfinden des Autors dieses Beitrags.

Fazit

War die Bitcoin Amsterdam nun in Anbetracht der genannten Tops und Flops eine Reise wert? Die Antwort ist ganz klar: „Jein“.

„Ja“, weil es ein großes Community-Treffen war, bei dem man die Gelegenheit bekam, tolle Menschen kennenzulernen und Gespräche zu führen. „Ja“, weil es neben all den inhaltsleeren Talks und Panels auch einige Lichtblicke gab. „Ja“, weil die Organisation und Durchführung höchst professionell waren. „Ja“, weil die Stadt Amsterdam definitiv eine Reise wert ist und man dies gut verknüpfen kann.

Hält man dem aber die starke Kommerzialisierung, die oft inhaltsleeren (Werbe-)Talks, die zum größten Teil (für Bitcoiner) sinnlosen Aussteller und die hohen Kosten gegenüber, gelangt man zu dem oben bereits angekündigten „Jein“.

Solange man sich bewusst ist, dass es bei der Veranstaltung mehr um den Austausch mit anderen Bitcoinern geht als um exklusive Informationen oder spannende Aussteller, dann kann man in Amsterdam sicherlich einige nette Tage verbringen. Mit der BTC23 in Innsbruck und einer ebenfalls für das kommende Jahr geplanten großen internationalen Bitcoin-Konferenz in Prag, stehen allerdings auch gute Alternativen zur Verfügung, die im Sinne des Bitcoin-Ethos veranstaltet werden – sozusagen von Plebs für Plebs. Es wird interessant zu beobachten sein, ob das Team von Bitcoin Magazine die eigene Vormachtstellung für Bitcoin Events durch die starke Überkommerzialisierung nicht langfristig verspielt.


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Quelle: Blocktrainer

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