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Exponential Moving Average (EMA)

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Inhaltsverzeichnis


Der Exponential Moving Average, auf Deutsch: exponentieller gleitender Durchschnitt, ist ein Trendindikator. Er gehört neben dem einfachen gleitenden Durchschnitt zu den meistverwendeten technischen Indikatoren. Nicht nur professionelle Trader, sondern auch Amateur-Trader sollten ein Grundverständnis in diesem Bereich mitbringen. Daher sind im folgenden Artikel die wichtigsten Informationen zusammengefasst: Von der Definition, über die Berechnung bis hin zu verschiedenen Strategien.

Was ist der EMA Indikator?

Der Exponential Moving Average, kurz EMA, ist einer von vielen Trendindikatoren. Er wurde von Charles C. Holt entwickelt und gehört mittlerweile zum Standardtool auf elektronischen Handelsplattformen. Der EMA ist neben dem Simple Moving Average, kurz SMA, einer von drei gleitenden Durchschnitten. Damit können Trader den Durchschnittskurs eines Wertpapiers über einen bestimmten Zeitraum errechnen und Kurstrends identifizieren. Auf Basis dieser Daten lassen sich schließlich Signale für den Kauf oder Verkauf eines Wertes ableiten. Gleitende Durchschnitte kommen also unter anderem in der Chartanalyse zum Einsatz. Doch ist die Nutzung des Indikators tatsächlich sinnvoll?

Ist der EMA Indikator sinnvoll?

Der exponentielle gleitende Durchschnitt wird in Chartanalysen verwendet, um Auf- und Abwärtsbewegungen am Markt darzustellen. Durch die Glättung der kurzzeitigen Kursfluktuationen, lassen sich vorherrschende Markttrends und potenzielle Trendwenden einfacher erkennen. Der EMA verringert die Verzögerung bei Zeitdaten und verhindert Verzerrungen aus Informationen, die nicht mehr relevant sind. Außerdem zeigt er Muster an, die Händler womöglich übersehen haben.

Der Exponential Moving Average reagiert sensibler auf Daten, was unter Umständen zu falschen Signalen führen kann. Allerdings ist er bei der Prognose von künftigen Änderungen des Kurses zuverlässig und präzise. Durch die schnelle Reaktion auf aktuelle Kurse, ist dieser Indikator zudem insbesondere auf schnelllebigen Märkten oder Intraday-Trends beliebt.

Was ist der Unterschied zwischen dem SMA und dem EMA?

Der EMA unterscheidet sich vom SMA in der Berechnung der Durchschnitte sowie der Gewichtung der einzelnen Tage. Für die Berechnung des einfachen gleitenden Durchschnitts bildet der Händler das arithmetische Mittel der vergangenen X Tage. Dafür addiert er die Schlusskurse der Tage und dividiert diese Zahl durch die Anzahl der Tage. Der jeweilige Berechnungszeitraum verschiebt sich dabei täglich um einen Tag. Somit sind für die Wertänderungen des Durchschnitts lediglich zwei Kerzen verantwortlich: die neue Kerze und die alte Kerze, die aus dem Berechnungszeitraum herausfällt. Beim EMA hingegen wird der Smoothing Factor berücksichtigt, wodurch der direkte Einfluss der Periodenlänge auf die Berechnung des Durchschnitts reduziert wird.

Darüber hinaus gewichtet der SMA alle Tage gleich und gibt ihnen somit den gleichen Einfluss auf die Berechnung. Im Gegensatz dazu hat beim EMA nur der letzte Tag einen direkten Einfluss – alle anderen Tage haben einen indirekten Einfluss. Daher befindet sich der EMA meist näher am vorherrschenden Kurs. Dadurch, dass die jüngeren Kurse in der Berechnung des EMA mehr Gewicht haben, ist der Indikator zudem reaktionsschneller als der SMA. In folgender Abbildung ist der einfache gleitende Durchschnitt als blaue Linie und der exponentiell gleitende Durchschnitt als rote Linie dargestellt.

Exponentieller gleitender Durchschnitt – Wie wird er berechnet?

Für die Berechnung des exponentiell gleitenden Durchschnitts benötigt der Trader lediglich drei Werte:

  • Der exponentiell gleitende Durchschnitt der Vorperiode – in der Regel der Vortag
  • Der aktuelle Kurs
  • Der Smoothing Faktor

Der Smoothing Faktor hat einen Wert zwischen 0 und 1. Er zeigt an, welchen Anteil der heutige Kurs an der Berechnung des heutigen exponentiellen Durchschnitts hat. Ein Wert von 0,1 bedeutet zum Beispiel ein Anteil von 10 Prozent. Je höher der SM, desto größer ist der Anteil des aktuellen Kurses. Und je größer der Anteil, desto näher ist der berechnete Durchschnitt am aktuellen Kurswert. In der Praxis wird meist der 12- und der 26-tägige EMA genutzt.

Um den Exponential Moving Average zu berechnen, gibt es zwei verschiedene Herangehensweisen bzw. Formeln:

Formel 1: EMA(heute) = C (heute)*SF + (1-SF) * EMA(gestern)

Formel 2: EMA(heute) = (C(heute) – EMA(gestern)) * SF + EMA(gestern)

Dabei ist EMA(heute) der heutige EMA, EMA(gestern) der EMA der Vorperiode, C(heute) der heutige Tagesendkurs und SF der Smoothing Factor. Beide Formeln führen zum selben Ergebnis.

Wie wird der Smoothing Factor berechnet?

Die Formel zur Berechnung des Smoothing Factors lautet wiefolgt:

SF = 2/(n+1)

Dabei gibt n die Anzahl der Perioden, in diesem Fall Tage, an. Bei einem Zeitraum von 10 Tagen ergibt sich also ein Smoothing Factor von 0,18 und bei 20 Tagen dementsprechend ein Smoothing Factor von 0,09. Bei kürzeren Perioden ist der Smoothing Factor größer als bei langen Perioden. Das bedeutet, jüngere Werte haben einen höheren Anteil bei der Berechnung des exponentiell gleitenden Durchschnitts und der EMA verläuft näher am aktuellen Kurswert.

EMA Indikator: Beispiele zur Berechnung

Die Formel, mit der sich der EMA Indikator berechnen lässt, wurde bereits dargelegt. Um den Vorgang nochmals zu verdeutlichen, folgen zwei Beispiele zur Berechnung des exponentiell gleitenden Durchschnitts für die vergangenen fünf Tage.

EMA Berechnung: Beispiel 1

Diese Abbildung zeigt die Tagesendkurse der einzelnen Tage in den jeweiligen Kerzen. Die linke Kerze stellt den ersten Tag dar und die weiteren Kerzen (von links nach rechts) die weiteren Tage, das heißt Tag 2 bis 6.

Bevor der EMA berechnet werden kann, muss zunächst der Smoothing Factor ermittelt werden. Dieser ergibt sich als Ergebnis folgender Rechnung:

SF = 2/(5+1) = 2/6 = 0,33

Da der EMA der Vorperiode nicht bekannt ist, wird zur Berechnung des ersten exponentiell gleitendnen Durchschnitts der Schlusskurs (C) des Vortags herangezogen. Dementsprechend lautet die Formel:

EMA(heute) = C(heute) * SF + (1-SF) * C(gestern)

Setzt man die jeweiligen Werte ein, ergibt sich:

145,37 * 0,33 + (1-0,33) * 146,92 = 144,94

Zu Berechnung der folgenden Tage wird statt dem Schlusswert des Vortages der errechnete EMA des Vortages eingesetzt. Demnach ergeben sich für die weiteren Tage folgende Werte:

berechnung
141,91 * 0,33 + (1-0,33) * 144,94
142,83 * 0,33 + (1-0,33) * 143,94
141,50 * 0,33 + (1-0,33) * 143,57
139,27 * 0,33 + (1-0,33) * 142,89

EMA Berechnung: Beispiel 2

Auch für dieses Beispiel sind in folgender Abbildung die Tagesendkurse dargestellt.

Da es sich ebenfalls um 6 Tage handelt, die hier betrachtet werden, ändert sich der Smoothing Factor in diesem Beispiel nicht. Er liegt weiterhin bei 0,33. So ergibt sich für den zweiten Tag ein exponentiell gleitender Durchschnitt von:

41.542,90 * 0,33 + (1-0,33) * 41.049,00 = 41.211,987

Somit ergeben sich für die weiteren Tage folgende exponentiell gleitende Durchschnitte:

berechnung
43.834,43 * 0,33 + (1-0,33) * 41.211,987
48.171,86 * 0,33 + (1-0,33) *
47.685,80 * 0,33 + (1-0,33) *
47.759,74 * 0,33 + (1-0,33) *

Werden diese Durchschnitte der aufeinanderfolgenden Tage in ein Chart eingetragen und verbunden, erhält der Trader die exponentiell geglättete Durchschnittslinie. Diese wird zur technischen Analyse eingesetzt.

Exponentieller gleitender Durchschnitt: Diese Strategien gibt es

In Bezug auf den gleitenden Durchschnitt gibt es verschiedene Handelsstrategien, auch Moving Average Crossover Strategien genannt. Diese nutzen kreuzende Durchschnitte, um Handelssignale zu generieren. Dafür tragen Trader die Linien von gleitenden Durchschnitten in einen Chart ein und es wird ein Signal zum Kauf bzw. Verkauf erzeugt, sobald sich diese Linien kreuzen. Grundsätzlich unterscheiden sich die Strategien je nach Anzahl der betrachteten gleitenden Durchschnitte. So hat der Händler die Auswahl zwischen folgenden Strategien:

  • Double Moving Average Crossovers
  • Triple Moving Average Crossovers
  • Crossovers mit mehr als drei Durchschnitten

Double Moving Average Crossovers

Bei der Double Moving Average Crossover Strategie handelt es sich um die einfachste Variante. Dafür nutzt der Händler lediglich zwei gleitende Durchschnitte mit jeweils unterschiedlichen Periodenlängen, um Handelssignale zu erzeugen. Dabei reagiert der Durchschnitt mit der kürzeren Periodenlänge stärker auf Kursänderungen und schwankt dementsprechend stärker als der längere Durchschnitt. Der Händler kann sich so beispielsweise für einen 50-Tage-Durchschnitt und einen 200-Tage-Durchschnitt entscheiden. Mit beiden Durchschnitten werden nun Signale erzeugt. Schneidet der 50-Tage-Durchschnitt den 200-Tage-Durchschnitt von unten nach oben, erhält der Trader ein Kaufsignal. Kreuzt er den Durchschnitt mit längerer Periodenlänge hingegen von oben nach unten, so wird ein Verkaufssignal generiert. In folgender Abbildung ist der Durchschnitt mit kürzerer Periodenlänge als blaue Linie dargestellt und der längere Durchschnitt in Gelb.

Triple Moving Average Crossovers

Die Triple Moving Average Crossovers sind eine Art Erweiterung der Double Moving Average Crossovers, wobei drei verschiedene gleitende Durchschnitte zum Einsatz kommen. Hier werden zwei verschiedene Varianten unterschieden.

Variante 1: Genau wie bei der Double Moving Average Crossover Strategie werden zwei Durchschnitte auf einem Chart dargestellt und Handelssignale erzeugt, sobald der Durchschnitt mit kürzerer Periodenlänge den anderen durchschnitt kreuzt. Allerdings kommt hier noch ein dritter Durchschnitt ins Spiel. Dieser hat eine noch längere Periodenlänge als die beiden anderen Durchschnitte und reagiert daher langsamer auf Kursänderungen. Dementsprechend zeigt der dritte Durchschnitt den langfristigen Trend an und wird als Trendfilter eingesetzt. Das bedeutet, ein Kauf- oder Verkaufssignal wird nur dann erzeugt, wenn sich die beiden kürzeren Durchschnitte auch auf der „richtigen Seite“ des längeren Durchschnitts kreuzen.

So kommt es nur zu einem Kaufsignal, wenn der Kreuzungspunkt – von unten nach oben – oberhalb des dritten Durchschnitts liegt. Ein Verkaufssignal wird entsprechend nur dann generiert, wenn der Kreuzungspunkt – von oben nach unten – unterhalb des dritten Durchschnitts liegt.

Variante 2: Noch einen Schritt weiter geht die zweite Variante. Hier wird nur dann ein Handelssignal ausgelöst, wenn sich die drei Durchschnitte auch in der „richtigen Reihenfolge“ befinden. Das heißt zum Kaufsignal kommt es, wenn der Durchschnitt mit der kürzesten Periodenlänge oberhalb den beiden anderen Durchschnitten befindet. Darauf folgt der Durchschnitt mit der mittleren Periodenlänge und ganz unten liegt der Durchschnitt mit der längsten Periodenlänge. Andersrum generiert der Trader nur dann ein Verkaufssignal, wenn die Reihenfolge umgekehrt ist, das heißt der Durchschnitt mit der längsten Periodenlänge oben liegt, gefolgt von dem Durchschnitt mit der mittleren Periodenlänge. Der Durchschnitt mit der kürzesten Periodenlänge liegt ganz unten.

Diese Abbildung zeigt drei verschiedene gleitende Durchschnitte, wobei die blaue Linie die kürzeste Periode darstellt, die gelbe Linie die mittlere Periode und die grüne Linie den Durchschnitt mit längster Periodenlänge.

Moving Average Crossover Strategien mit mehr als drei Durchschnitten

Diese Strategie funktioniert nach demselben Prinzip. Um ein Handelssignal zu generieren, müssen alle betrachteten Durchschnitte in Bezug auf die Periodenlänge in der richtigen Reihenfolge über- bzw. untereinanderliegen. So erhält der Trader ein Kaufsignal, wenn der kleinste Durchschnitt ganz oben liegt, gefolgt von den weiteren Durchschnitten in aufsteigender Periodenlänge. Ganz unten befindet sich also der Durchschnitt mit der größten Periodenlänge. Zu einem Verkaufssignal kommt es, wenn die Reihenfolge umgekehrt ist. Das heißt der kürzeste Durchschnitt unten und der längste Durchschnitt oben.

Fazit: Einer der wichtigsten technischen Indikatoren

Mit dem Exponential Moving Average (EMA) bedient sich der Trader einer der wichtigsten technischen Indikatoren in der Börsenpraxis. Der exponentiell gleitende Durchschnitt gibt Aufschluss über die Kursentwicklungen und potenzielle Kursänderungen. Die dadurch generierten Handelssignale können Händlern dabei helfen optimale Trading-Entscheidungen zu treffen. Außerdem ist dieser Indikator in jedem Handelsprogramm verfügbar und äußerst beliebt. Allerdings sollten sich Trader darüber im Klaren sein, dass es sich beim EMA um einen sogenannten Trendfolgeindikator handelt. Dementsprechend kommen seine Handelssignale unter Umständen zu spät und Händler sollten sich nicht blind darauf verlassen. Daher empfiehlt sich grundsätzlich die Anwendung mehrerer Indikatoren.

Erfahrene Investorin seit 2017 im Bereich Aktien und ETFs.
Spezialisierung auf Short-Selling und den Einsatz von Derivaten.
Bachelor in Wirtschaftswissenschaften.

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Quelle: Trading für Anfänger

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