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Chinesischer Miner kündigt an, Ethereum mit Proof of Work fortzuführen

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Bild aus den Brand-Assets der Ethereum Foundation, kreiert von William Tempest

Der „Merge“ von Ethereum nähert sich. Einige Miner künden nun an, das alte Ethereum mit Proof of Work als „ETHPoW“ zu erhalten. Das geht nur durch einen Chainsplit: Jeder Coin verdoppelt sich auf einer parallelen Blockchain. Für Ethereum entsteht daraus keine ernstzunehmende Bedrohung – aber Trader werden ihre helle Freude haben.

Mittlerweile scheint es beschlossen zu sein, dass Ethereum den „Merge“ im September vollzieht. Damit wird Ethereum von Proof-of-Work (PoW) zu Proof-of-Stake (PoS) umsteigen: Es werden keine Miner mehr notwendig sein, um die Blocckhain zu sichern.

Ebenfalls scheint aber fest zu stehen, dass dieses Großereignis etwas ruckelig ablaufen wird.

„ETH will be fork, ETHPOS vs ETHPOW“, schrieb Chandler Guo in einer Chatgruppe: Ethereum wird geforkt, Proof of Stake wird gegen Proof of Work konkurrieren.

Mit diesem kurzen Kommentar bestätigt einer der wichtigeren chinesischen Krypto-Miner das, was eigentlich jeder erwartet hat: Die Miner nehmen nicht einfach so hin, dass die Ethereum-Entwickler sie mit dem  Merge „entlassen“ werden. Denn der Merge macht Ethereum zur „Proof of Stake“-Blockchain: zu ETH 2.0

Die Miner wehren sich passiv. Sie tun einfach so, als gäbe es keinen Merge, und als habe es niemals eine Roadmap gegegen, die den Umstieg auf PoS fest einplant. Sie machen einfach so weiter wie bisher. Während die Staker mit ETH2 arbeiten, werden die Miner mit der Power ihrer Grafikkarten die klassische Ethereum-Blockchain fortschreiben: ETHPoW.

BitMEX Research, ein Informationsportal der Börse BitMEX, widmet diesem Chainsplit einen lesenswerten Bericht.

Kein Konkurrent für ETH2, aber möglicherweise dennoch relevant

Grundsätzlich herrscht in der Ethereum-Szene Konsens, dass die Blockhain von PoW (Mining) zu PoS (Staking) wechselt. Das war schon immer geplant und ist laut Roadmap längst überfällig.

Allerdings kann man verstehen, dass die Miner nicht einfach so zuschauen, wie ihre Einnahmen durchs Ethereum-Mining auf Null sinken. Da es keine anderen PoW-Blockchains gibt, worauf sie ihre Hardware ausrichten können, werden ab September Grafikkarten, Lüfter, Netzteile und Ascis unnütz. Man kann kaum überschätzen, was für ein Berg an Hardware derzeit noch im Einsatz ist: Laut dem Digiconomist läuft Ethereum derzeit mit knapp 10 Gigawatt und verbraucht mehr als 80 Terawattstunden im Jahr.

Wenn eine Grafikkarte unter Volllast bis zu 500 Watt zieht, wären das etwa zwei Millionen Grafikkarten. Natürlich sind die Zahlen des Digiconomist traditionell eher das obere Ende; man kann sie sorglos halbieren. Bei Ethereum schürfen zudem noch teilweise Asics mit. Doch der Mining-Algorithmus ist relativ robust gegen Asics, weswegen das Mining vermutlich weiter durch GPUs dominiert wird. Daher hätten wir eine Größenordnung: Eine sechs- oder sehr tiefe siebenstelligen Anzahl an Grafikkarten wird vom Strom getrennt. Zocker sollten den Merge mit Vorfreude erwarten, die Hersteller von Grafikkarten, vor allem Nvidia, mit Entsetzen.

Für ETHPoW bedeutet dies: Es gibt Parteien, die ein ökonomisches Interesse daran haben, dass ETHPoW kein Misserfolg wird. Daher ist es wahrscheinlich, dass die Blockchain überleben wird.

Skeptisch bleiben die Analysten von BitMEX aber, ob ETHPoW „irgendeine ökonomische Signifikanz“ erreichen wird. Das breite und agile Ökosystem um Ethereum sowie sämtliche relevanten Entwickler schlagen sich einstimmig auf die Seite von ETH2. ETHPoW könnte zu einer der vielen Zombiechains werden: eine Kryptowährung, die irgendwie weiter existiert, obwohl es auf ihr kein lebendiges Ökosystem gibt.

Dennoch könnte ETHPoW auch langfristig eine gewisse Relevanz genießen. Vielleicht hat Proof of Stake ja eine Schwäche. Vielleicht gibt es einen Bug, vielleicht unerfreuliche Tendenzen, wie eine Monopolisierung der Blockproduktion. Der Merge ist ein großes Experiment, und ETHPoW könnte sich als Backup aufstellen, falls etwas schiefgeht oder unerwartete Folgen nach sich zieht.

Haarige Probleme mit Token

Allerdings erkennt BitMEX Research auch Probleme, die sich die Miner mit ETHPoW aufhalsen.

Zuerst einmal die „Eiszeit“. Die Ethereum-Entwickler programmieren mit jedem großen Upgrade eine „Difficulty Bomb“ ein. Das ist ein Algorithmus, der ab einem bestimmten Zeitpunkt die Schwierigkeit des Minings exponentiell ansteigen lässt. Dies ist zunächst kaum bemerkbar, friert aber nach einigen Monaten die Blockchain komplett ein. Ohne Änderungen am Code, so BitMEX, bliebe ETHPoW nicht mehr als 100 Tage.

Um die Eiszeit abzuwenden, muss ETHPoW ebenfalls eine Hardfork ausführen. Das wäre unkontrovers. Doch die Miner müssen Entwickler finden und finanzieren, die den Code ändern, und die Qualität des Clients auf einem Niveau halten, das Börsen überzeugt, den Coin zum Handel anzubieten. Da ein Ethereum-Full-Node alles andere als eine triviale Software ist, darf man diese Herausforderung nicht unterschätzen.

Ein kniffeliges Problem sind die Ether, die in einem Smart Contract eingefroren wurden, um schon heute ETH2 zu staken. Diese werden nach dem Merge (irgendwann) wieder in Umlauf gesetzt. Doch was passiert mit ihnen auf ETHPoW? Mit einer Hardfork könnte man sie theoretisch zurückbuchen. Aber ob das erwünscht ist, dürfte für Diskussionsstoff sorgen. Und was ist mit den Token, die auf Basis der gestakten Ether herausgegeben wurden? Wenn sie wertlos werden, da es keinen Merge gibt – was passiert mit den DeFis, bei denen sie als Kollateral verwendet wurde?

Und damit wären wir bei dem riesigen Büschel Haare in der Suppe von ETHPoW: Die Stablecoins. Sehr weite Teile des Ökosystems auf Ethereum bauen auf Stablecoins wie USDC (Circle) oder USDT (Tether). Diese Stablecoins kursieren zu Token auf der Ethereum-Blockchain und werden 1:1 durch Dollar auf einem Bankkonto gedeckt. So heißt es zumindest. Mit der Fork verdoppeln sich die Token: Ein Tether-Dollar auf ETH existiert fortan auf ETH2 und ETHpoW. Da sich der Dollar auf dem Bankkonto aber nicht mit verdoppelt, müssen sich die Herausgeber der Stablecoins für eine Blockchain entscheiden.

Daher heißt es auch, Tether und Circle entschieden über die Hardfork. Da es als ausgeschlossen gilt, dass sie sich nicht für ETH2 entscheiden, werde knapp 100 Milliarden Dollar mit einem Mal aus dem Ökosystem von ETHPoW verschwinden. Jede DeFi-App und -DAO wird vollständig kollabieren, was ziemlich wild werden wird. Es ist schwindelerregend, über den unvermeidbaren Tsuname automatisierter Liquidationen nachzudenken.

Spaß und Profit für Trader

Solange es keinen katastrophalen Bug bei ETH2 gibt, zweifelt BitMEX-Research nicht daran, dass sich ETH2 durchsetzen wird. Das gesamte Orchester spielt auf dieser Bühne, und das ist eigentlich alles, worauf es ankommt.

Dennoch geht BitMEX davon aus, dass sich „positive Narrative“ um ETHPoW bilden können und große Börsen den Coin frühzeitig listen. Es ist denkbar, dass die Fork eine Begeisterung unter Usern und Tradern auslöst. Daher wird es zu „aufregenden Gelegenheiten für Trader und Spekulanten“ kommen (und schon allein die Möglichkeit dürfte den Coin am Leben halten).

User, die Ether halten, dürfen sich darauf freuen, dass sie bei der Fork für lau einen weiteren Coin erhalten. Ob man ihn dann sofort mit kleinen Gewinnen verkauft oder darauf spekuliert, dass er mit der Zeit an Wert gewinnt, wird jeder für sich selbst entscheiden müssen. Klar ist aber: Es wird aufregend werden!


Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder

Christoph hat vor kurzem sein zweites Buch veröffentlicht: „Das Bitcoin-Kompendium: Netzwerk und Technologie“. Es ist eine überarbeitete Auslese seiner besten Artikel für dieses Blog. Ihr könnt das Kompendium direkt auf der Webseite Bitcoin-Buch.org bestellen – natürlich auch mit Bitcoin – oder auch per Amazon.

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Quelle: BitcoinBlog.de

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