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“Boom-and-Bust“-Zyklen unter einem Bitcoin-Standard

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Ein Schlüsselmerkmal der Weltwirtschaft sind Phasen enormen wirtschaftlichen Aufschwungs (“Boom-Phasen“) auf die Phasen wirtschaftlicher Kontraktion (“Bust-Phasen“) folgen. Diese Zyklen haben meist ihren Kern in bestimmten Branchen, wirken sich aber dennoch auf die gesamte Wirtschaft aus. Als “Blasen“ bezeichnet man dann auch die starken Aufschwünge, die sich im Nachhinein als nicht nachhaltig entpuppen.

Aktuellere Beispiele sind hierfür einerseits die “Dotcom-Blase“ der späten 1990er Jahre, die hauptsächlich Internet-Unternehmen betraf und natürlich auch die “Subprime-Blase“, die 2007 platzte und dem Immobilien- und Bankensektor entsprang. Auch die Phase, die Mitte März 2020 begann, als die Zentralbanken die Märkte mit Liquidität fluteten, um die wirtschaftlichen Folgen der coronabedingten Lockdowns auszubügeln, passt in dieses Schema: Vermögenswerte explodierten auf breiter Front, besonders aber diejenigen, die hochspekulativer Natur sind, wie unter anderem “Altcoins“ oder auch Aktien unprofitabler Wachstumsunternehmen.

Die Probleme von “Boom-and-Bust“-Zyklen

Alle diese “Boom-Phasen“ mündeten in Kursrückgängen von Vermögenswerten und in einer Rezession, also in einer Zeit, in der das Bruttoinlandsprodukt mindestens zwei aufeinanderfolgende Quartale rückgängig war.

Unter den Mainstream-Ökonomen wird heiß debattiert, inwiefern und wann die Zentralbank (Fed) einzuschreiten hat, um das Platzen der Blase zu verhindern. Manche behaupten, dass bei einer Blasenbildung der Leitzins angehoben werden soll – andere kommen wiederum zu einem gegenteiligen Ergebnis (Galí 2013). Selbst wenn ein “Bust“ durch geldpolitische Maßnahmen erfolgreich abgewendet werden könnte, müsste eine Blase aber auch erkannt werden.

Fehleinschätzungen der Fed

Die Vergangenheit zeigt hingegen, dass dies nicht unbedingt leicht ist. Alan Greenspan, der Vorsitzende der Fed zur Zeit der “Dotcom-Blase“, war überzeugt davon, dass der Boom der 1990er Jahre nicht mit einem “Bust“ enden wird.

Auch Ben Bernanke, der Notenbankchef während der “Subprime-Blase“ schätzte die Situation falsch ein. Als die Rezession schon im Gange war, gab er zum Besten, dass die Fed keine Rezession erwartet. Hier zwei Schlagzeilen aus dem Januar respektive Dezember 2008, die dies belegen.

Fehleinschätzungen aus dem Hause der Federal Reserve sind nebenbei angemerkt keine Seltenheit. Ein aktuelleres Beispiel wäre die im Sommer 2021 geäußerte Prognose von Jerome Powell, dem aktuellen Präsidenten der Fed, dass die Inflation temporär sei und schwinden werde. Ein Jahr später war die Inflation fast doppelt so hoch und erreichte den höchsten Stand seit 1981.

Entstehung der “Boom-Phasen“

Wie diese “Boom-Phasen“ initial ausgelöst werden ist seltener der Diskussionsgegenstand in der Mainstream-Ökonomie. Nichtsdestotrotz gibt es empirische, sowie historische Evidenz dafür, dass die Geldpolitik dabei die Schlüsselrolle spielt. Detken undSmets (2004) haben in ihrem Paper 38 “Boom-Phasen“ seit den 1970er Jahren untersucht und kamen zu dem Ergebnis, dass diese mit einer lockereren Geldpolitik einhergehen. Bordo undLandon-Lane (2013) fanden heraus, dass eine lockere Geldpolitik die Asset-Preise in die Höhe treibt, was dann unmittelbar in einen “Bust“ mündet.  

Lockere Geldpolitik

Eine sogenannte lockere Geldpolitik zeichnet sich durch einen niedrigen Zins und hohes Geldmengenwachstum aus. Um den Zins zu senken, kauft die Zentralbank mit neuem Geld Wertpapiere (Offenmarktgeschäfte) und/oder senkt die Mindestreservepflicht für Banken. Ist der Zins niedriger werden mehr Kredite vergeben, wodurch ebenfalls neues Geld entsteht.

“Boom-and-Bust“ unter einem harten Geld möglich?

Laut Vertretern der Österreichischen Schule liegt die Lösung auf der Hand (oder auf der Blockchain): ein freies Geld. Logischerweise würde sich in einem freien Geldmarkt ein hartes Geld durchsetzen, also ein Geld, das von niemandem ausgeweitet werden kann. Ohne ein Geldmonopol und dadurch implementierte Zinsen respektive eine Ausweitung der Geldmenge würden solche “Boom-and-Bust“-Zyklen nicht mehr möglich sein (Thorsten Polleit (2006)). Ein künstlich niedriger Zins ist nämlich laut der “Austrian Business Cycle Theory“ die Ursache für einen nicht nachhaltigen “Boom“.

Austrian Business Cycle Theory

Die Erklärung ist wie folgt: Der Zinssatz würde ohne eine Geldpolitik nämlich der Zeitpräferenz der Menschen entsprechen. Die Zeitpräferenz drückt aus wie viel stärker heutiger Konsum gegenüber Zukünftigem gewertet wird. Der natürliche Zinssatz kann nur größer als 0 sein, da Menschen immer aufgrund von Unsicherheiten bezüglich der Zukunft und aufgrund des unabdingbaren Endes des Lebens lieber heute konsumieren als morgen. Wenn aber jetzt die Zentralbank einen künstlich niedrigen Zinssatz implementiert, beginnt die Problematik:

Unternehmen machen sich den niedrigeren Zinssatz zunutze und kurbeln die Investitionen an. Dafür hätten in einer Welt ohne geldpolitische Maßnahmen aber mehr Ersparnisse (eine niedrige Zeitpräferenz) vorausgegangen sein müssen. Die Produktions- und Beschäftigungsstruktur verändert sich: Ein wirtschaftlicher Aufschwung (“Boom“) findet statt. Die resultierende Überproduktion ist aber nicht gleichmäßig verteilt, da ein niedrigerer Zinssatz längere Produktionsprozesse incentiviert. Ludwig von Mises schrieb in seinem Buch Human Action, dass solche “Boom-Phasen“ durch Fehlinvestitionen (Malinvestment) und Überkonsum gekennzeichnet sind.

Schließlich wird ersichtlich, dass sich die Wirtschaft nicht in einem stabilen Gleichgewicht befindet und kostspielige Reallokationen von Ressourcen werden vorgenommen. Der künstliche “Boom“ kann nur durch eine immer lockerere Geldpolitik aufrecht gehalten werden. Das kann dann aber in einer zu hohen Inflation münden, die für die Zentralbank auch nicht von Interesse ist, da dadurch das Vertrauen in das Fiatgeld und in die allgemeine Wirtschaft zu stark schwinden würde. Preisstabilität ist nämlich ein Ziel, das sich die Zentralbanken auf die Fahne geschrieben haben.

Ausblick

Es besteht politisches Interesse darin, einen “Boom“ zu erzeugen und so lange wie möglich am Leben zu halten. Man bleibt in Erinnerung als derjenige, unter dem die Wirtschaft stark wuchs und die Suppe kann dann vom Nachfolger ausgelöffelt werden. Die Strategie kann aufgehen, aber es macht laut Vertretern der Österreichischen Schule der Nationalökonomie den zwangsläufig eintretenden “Bust“ nur noch schlimmer.

Man kann zwar die Realitätaber nicht die Folgen davon ignorieren.

Ayn Rand, Schriftstellerin und Philosophin

Kein Politiker gewinnt Wahlen, in dem er ankündigt, die Luft aus der Wirtschaft zu lassen, auch wenn es langfristig gesehen vermutlich von Vorteil wäre. Aufgrund der hohen Staatsverschuldung besteht zudem ein Interesse an niedrigen Zinsen gepaart mit einer moderat hohen Inflation, um sich zu entschulden respektive nicht bankrottzugehen.

Solange es ein Geldmonopol gibt, werden uns “Boom-and-Bust“-Zyklen wohl weiterhin begleiten.

Kommentar

Die Vorstellung, dass ein paar Experten die Wirtschaft optimal navigieren könnten und somit künstlich “Booms“ zu kreieren, ohne einen “Bust“ früher oder später auszulösen, erscheint illusorisch. Einerseits unter dem Gesichtspunkt, dass es nur Menschen sind, die durchaus auch Fehlannahmen mit verheerenden Folgen für die Menschheit treffen können. Andererseits dadurch, dass es noch nicht einmal einen Konsens gibt, wie “Busts“ überhaupt erfolgreich abzuwenden sind.

In anderen Märkten ist man sich doch meist einig, dass ein freier Markt das beste Ergebnis zum Vorschein bringt. Wieso sollte das dann nicht auch bei Geld respektive Zinsen der Fall sein?


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