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Bitcoin-Mining, die Energiewende und das verflixte Narrativ des Stromsparens

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“Wind und Weite”, Bild von Franz Franzen via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Nach der Abstimmung: Weil der Plan, Bitcoin zu verbieten, im Europaparlament gescheitert ist, tritt SPD-Politiker Joachim Schuster nach. Europa habe die Chance versäumt, sich für mehr Nachhaltigkeit zu entscheiden. Die Idee, Bitcoin-Mining helfe der Energiewende, weist Schuster von sich. Ist da etwas dran? Wir gehen dieser Frage auf den Grund.

Man kann ein guter Verlierer sein. Oder man kann es wie Joachim Schuster machen, und einen Tag nach einer verlorenen Abstimmung ein bitteres Blogpost veröffentlichen: „Rechte stimmen gegen Chanc auf mehr Nachhaltigkeit.“

Der Hintergrund ist folgender: Gestern hat der Wirtschafts- und Währungsausschuss im Europäischen Parlament ein Regelwerk für Kryptowerte beschlossen, die von den bisherigen Regeln noch nicht abgedeckt wurden. Dabei haben Sozialdemokraten, Grüne und Linke einen Vorschlag eingebracht, „der ökologische Mindeststandards für Transaktionen von Kryptowerten festlegt“. Diesen Vorschlag haben die Konservativen und Liberalen allerdings abgelehnt – mit der Unterstützung der rechtsextremen ID-Gruppe.

So erklärt sich auch die Überschrift. So wie im alten Rom ein einziger Mann einer Gruppe von Menschen den maskulinen Genus aufdrückte, macht die Unterstützung von Rechtsextremen eine politische Meinung und deren Vertreter rechts.

Aber widmen wir uns den Argumenten von Schuster. Sie werden uns auf eine interessante Fährte führen. Er sei enttäuscht, beginnt Schuster, dass eine „rechte Mehrheit“ die „Chance“ verpasst habe, „weltweit die ersten Maßstäbe in Sachen Nachhaltigkeit von Kryptowährungen zu setzen.“ Der Politiker weist die „Darstellung einiger Branchenlobbyist*innen“ zurück, dass Mining ein „stabilisierender Faktor in der Energiewende“ sei.

Denn: Bitcoin verbrauche „mehr Energie als Länder von der Größe Österreichs oder Portugals“. Daher könne „niemand, der es mit dem Klimaschutz ernst meint“, das Mining unterstützen.

Gerade in Zeiten wie diesen, in denen die Energiepreise für „normale Bürger*innen und Unternehmen durch die Decke gehen“, sei es sehr verwunderlich, dass „die Konservativen eine Energieverschwendung solchen Ausmaßes ohne erkennbaren gesellschaftlichen Mehrwert unterstützen.“

Was sich leicht entkräftigen lässt

Lassen wir das leidige Geplänkel mit „rechts“ und „rechtsextrem“ und der deutschen politischen Konnotation dieser Richtung beseite, und widmen uns den Kernargumenten von Schuster:

1.) Mining kann der Energiewende nicht helfen.
2.) Bitcoin verbraucht mehr Energie als Österreich oder Portugal.
3.) Angesichts steigender Preise kann sich die EU kein Bitcoin-Mining leisten.
4.) Mining ist Energieverschwendung ohne gesellschaftlichen mehrwert.

Drei von Schusters Behauptungen lassen sich leicht entkräftigen:

2.) ist schlicht falsch. Schuster verwechselt Strom und Energie. Bitcoin verbraucht möglicherweise mehr STROM als Österreich —  aber nicht mehr ENERGIE. Denn Energie umfasst sowohl Strom als auch das Verbrennen von Gas, Öl oder Holz, für Heizungen, Öfen und Motoren. Im Jahr 2020 hat Deutschland rund 2.500 Terawattstunden Energie verbraucht – aber nur rund 500 Terawattstunden Strom. Strom macht also nur ein Fünftel des Energieverbrauchs aus – und vermutlich noch sehr viel weniger CO2-Emissionen.

Diese stark irreführende Gleichsetzung wird vom Digiconomisten, einem Analysten im Dienste der EZB, seit Jahren gepflegt, indem seine Webseite fortlaufend von Energie anstatt Strom schreibt. Dass ein Europaparlamentarier diese Irreführung übernimmt, spricht nicht eben für ihn.

Greenwashing wirtschaftspolitischer Vorlieben

3.) geht am Thema vorbei. Bitcoin-Mining in der EU ist nahezu nicht-existent. Es erreicht in keinster Weise einen Umfang, der für den Strompreis auch nur irgendwie relevant ist. Und selbst wenn es in der EU Mining gibt – dann eben dort, wo der Strompreis günstig ist.

Damit Strom günstig ist, vor allem derzeit, muss es an Abnehmern fehlen und damit an der Möglichkeit, den Strom weiter zu transportieren. Damit entlarvt sich Schusters Vorwurf an die Konservativen, kein Herz für „normale Bürger*innen“ zu haben, als hohle Phrase. Ein Mining-Verbot würde nicht das geringste an den explodierenden Stromkosten für Bürger ändern, da Mining niemals um den teuren Bürgerstrom konkurriert.

4.) zeigt, worum es eigentlich geht: Schuster erkennt in Bitcoin keinen Mehrwert. Der Vorwurf, Bitcoin sei zu nichts nutze, findet sich grün angestrichen immer wieder am Grunde des Vorwurfs des hohen Stromverbrauchs. Schuster, der nebenbei Aufsichtsrat eines Bremer Stahlwerkes ist, hat an sich kein Problem mit energieintensiven Industrien. Ihm geht es darum, dass er in dem Stromverbrauch von Bitcoin keinen Zweck erkennt.

Dadurch erklärt sich, weshalb Politiker es schaffen, Subventionen für Benzinkäufe, die Autoindustrie und die Flugbranche zu fordern, aber gleichzeitg ein Verbot von Bitcoin zu unterstützen, ungeachtet der durch Zahlen und Statistiken beweisbaren Tatsache, dass die ersteren in Europa einen massiv höheren CO2-Abdruck hinterlassen als das Mining. Die Ökologie wird zum Greenwashing wirtschaftspolitischer Vorlieben.

Es bleibt also 1.). Kann Bitcoin der Energiewende helfen? Oder handelt es sich dabei um eine Fiktion von Lobbyisten? Damit wären wir bei einer extrem spannenden Frage angekommen.

Der Narrativ des Stromsparens

Leider watscht Schuster die These, Bitcoin helfe der Energiewende, schlicht mit dem Hinweis darauf ab, wie hoch der Energieverbrauch von Bitcoin sei.

Dies macht es schwierig, darauf zu reagieren, weil er sich nicht die Mühe macht, einen echten Grund zu liefern. Wenn man versucht, ihn ernstzunehmen, landet man bei der Aussage, dass die Energiewende nur durch Energiesparen gelingen könne.

Ist dem so? Das Narrativ, man müsse Energie sparen, um die Energiewende zu vollbringen und das Klima zu schützen, ist relativ weit verbreitet. Ob man ihm folgt oder nicht ist vermutlich eine Glaubenssache.

Auf der einen Seite ist es natürlich einfacher, eine Industrie umzudrehen, wenn diese kleiner ist. Je geringer der Verbrauch, desto weniger Photovoltaikzellen und Windräder braucht es, um ihn zu befriedigen. Ist klar. Daher investiert Europa sehr viel Geld in Forschungsvorhaben, die den Energieverbrauch von Maschinen senken, verbietet Glühbirnen, und erlässt Vorschriften über die Energieeffizienz von Neubauten. Strom, der nicht verbraucht wird, kann auch kein CO2 in die Atmosphäre stoßen.

Und selbst wenn Mining – oder eine andere Industrie – erneuerbare Energien verwendet, ist dies nicht grün. Denn diese erneuerbaren Energien fehlen woanders, wo sie durch konventionelle Energien gedeckt werden.

Schließlich fördert ein hoher Stromverbrauch die Erhaltung alter Kraftwerke, oder gar die Errichtung neuer Kohlekraftwerke, weil erneuerbare Energien nicht schnell genug verfügbar oder günstig genug sind.

Unendlich viel grüne Energie!

Auf der anderen Seite gibt es allerdings auch Gegenargumente. Diese sind vor allem ökonomisch.

Damit die Energiewende glückt, müssen Energieunternehmer in der Lage sein, Profite zu erwirtschaften. Es braucht Investitionen, und man muss über die (lobbystarke) Industrie des kohlebasierten Stroms hinwegkommen. Der Markt muss sich bewegen, und um sich zu bewegen, muss ein Markt wachsen. Ein schrumpfender Markt, wie ihn das Narrativ des Stromsparens verlangt, ist nicht innovativ. Ihm fehlt es an Investitionen und Chancen für neue Akteure; er fördert Konzentration und Kartelle.

Auch ist fraglich, ob Stromsparen die Antwort auf die Herausforderung der Zukunft ist, auch und gerade die, die mit dem Klimawandel in Zusammenhang stehen: Man braucht viel Strom, um die Verkehrswende hin zu E-Autos zu meistern. Man kann mit viel Strom auch CO2 aus der Atmosphäre ziehen, um den Klimawandel aufzuhandelt oder zu verlangsamen, und man kann Meerwasser entsalzen, um etwa eine klimabedingte Verwüstung von Spanien zu verhindern.

Ein zu starker Fokus auf das Stromsparen droht, die Stromversorgung insgesamt geringer zu machen. Dies kann wichtige Innovationen verhindern, und es kann dazu führen, dass produktive Kapazitäten an Standorte verlagert werden, wo man weder Strom spart noch auf erneuerbare Energien setzt. Wer zuviel Strom spart, fördert unter Umständen den CO2-Ausstoß, anstatt ihn zu begrenzen.

Alles in allem macht das Axiom des Stromsparens es sehr viel schwieriger, mit den Folgen des Klimawandels umzugehen, und wenn es nur um Klimaanlagen geht, die in Zukunft für ältere oder hitzeempfindliche Personen überlebenswichtig sein könnten. Auch die soziale Akzeptanz einer Energiewende dürfte wesentlich günstiger ausfallen, wenn man sich nicht zu sehr auf Einschränkungen fokussiert.

Die Vision von „unendlich viel grüner Energie“ ist sehr viel vitaler und zukunftsfähiger als die des Stromsparens. Letztere kann man nur unter einem Umstand bevorzugen: wenn man überzeugt ist, dass „mehr Energie“ mit grünen Energien nicht zu leisten ist. Im Kern des Narrativs des Energiesparens steckt also ein ziemlich pessimistisches, mutloses „Wir schaffen das nicht“ – wir schaffen es nicht, unseren vollen Strombedarf oder noch mehr durch grüne Energien zu decken.

Ist dem so? Oder ist es möglich, den bisherigen und künftigen Bedarf durch grüne Energie zu decken? Und wenn ja – welche Rolle kann Bitcoin-Mining dabei spielen?

Es gibt mehr als genügend Platz

Es gibt mehrere Studien, die genau diese Fragen stellen. Ihre Ergebnisse sind geeignet, noch dem verzagtesten Energiesparer Mut einzuflössen: Wir können das schaffen, und es ist gar nicht mal so schwierig, wie erwartet.

Die Webseite Landartgenerator erklärt etwa, dass man den prognostizierten Weltbedarf für das Jahr 2050 vollständig durch erneuerbare Energien decken könnte, wenn man 1,4 Millionen Quadratkilometer Land und 488.000 Quadratkilometer Ozean dafür nutzt. Schätzungen zufolge hat die Erde eine Landfläche von mehr als 149 Millionen Quadratkilometern, und eine Wasserfläche von gut 360 Millionen Quadratkilometern. Mehr als 80 Prozent der benötigten Flächen könne, so Landartgenerator, durch „Zwischenland“ gestellt werden, also ungenutzte Flächen, weitere 8 Prozent auf Dächern, über Straßen, über Parkplätzen und so weiter.

Noch einfacher sieht das Weltwirtschaftsforum die Sache: Man müsse lediglich 50 Prozent der weltweiten Dächer mit Photovoltaik-Anlagen bestücken, um den gesamten globalen Strombedarf zu decken. Eine Institution der US-Regierung schätzt hingegen, dass man lediglich sieben Prozent der US-Landfläche bräuchte, um die gesamte USA mit Solarenergie zu versorgen: „Auf Dächern, über Parkplätzen, an der Seite von Autobahnen, an den Seitenwänden von Gebäuden und in anderen Dual-Use-Szenarien. Wir würden keinen einzigen Hektar neues Land benötigen, um Photovoltaik zu unserer einzigen Energiequelle zu machen.“

Einen weiteren Hinweis finden wir in einem Bericht des Fraunhofer-Instituts zur Produktion erneuerbaren Energien in Deutschland 2020: Deutschland habe 7,6 Prozent des globalen PV-Stroms produziert. Mit einer Fläche von 360.000 Quadratkilometer macht Deutschland nur 0,1 Prozent der globalen Landfläche aus – und schöpft sein Potenzial für Photovoltaik-Energien noch längst nicht aus. Das ist auf den ersten Blick überall zu sehen: Weder findet man eine Photovoltaik-Anlage auf jedem Dach, noch über Autobahnen, Zugstrecken, Parkplätzen oder auf ungenutztem Gelände. Darüber hinaus macht Solarenergie nicht mal ein Viertel der ingesamt in Deutschland produzierten erneuerbaren Energien aus.

Insgesamt weisen die vorhandenen Daten SEHR stark darauf hin, dass man durch erneuerbare Energien – Wasserkraft, Photovoltaik, Windenergien – mehr als ausreichend Energie für alle Zeiten erzeugen können.

Die Vision sollte es daher nicht sein, Strom mit dem schwäbischen Maß zu messen – sondern darauf hinzuarbeiten, dass wir alle so viel grünen Strom verschwenden und vergeuden können, wie wir wollen. Dass Strom einmal einen Cent je Kilowattstunde kostet anstatt einen Euro, dass wir es uns leisten können, dass eine Familie 10.000 Kilowattstunden je Jahr verbraucht anstatt 3.500, dass man ruhigen Gewissens alle Lichter brennen lassen kann und so weiter.

Die Hashrate, mit der eine Volkswirtschaft Bitcoins schürft, sollte zum Indikator einer gelungenen Energiewende werden.

Wie kann man das Potenzial erschließen?

Es lohnt sich also, groß zu denken anstatt knausrig. Wie aber kommt man dorthin? Wie schaffen wir es, auch nur im Ansatz die Potenziale für erneuerbare Energien auszuschöpfen?

Erstens muss es sinnvolle Anreize geben, um auf dezentrale und private, also nicht-professionelle, Weise den Raum auszunutzen: um auf jedes Dach eine Photovoltaik-Anlage zu stellen, über jeden Parkplatz, an die Seite jeder Straße und so weiter.

Zweitens muss die öffentliche Hand sehr viel stärker als bisher jeden Zentimeter für die Energieproduktion nutzen. Warum gibt es noch Rathäuser ohne PV-Anlagen? Oder Parkplätze? Warum sind Autobahnen und Zugestrecken nicht mit Photovoltaik-Zellen gepflastert?

Drittens braucht es nationale Großprojekte. Man braucht ein Projekt analog zur Mondlandung: Riesige Windparks in den Meeren, gewaltige Solar-Farmen in Bergen und Wüstengebieten. Es braucht unbedingt die Voraussetzungen, dass sich solche Großprojekte für die Energieversorger, die es sich leisten können, lohnen.

All dies verlangt eine sinnvolle, durchdachte Politik. Es verlangt, dass der Strommarkt gut genug und rational genug funktioniert, um Privatleute und Unternehmen zu motivieren, jeden Quadratmeter mit PV-Zellen zu bedecken. Es braucht die Voraussetzungen, damit sich Investitionen in gewaltige Windkraft- und Solarparks, aber auch in Speichersysteme, Stromtrassen und das Netz rentieren können.

Kurzum: Es bedarf einer entschiedenen, aber marktfreundlichen Politik. Einer Politik, die den großen Wurf wagt, anstatt sich vor diesem zu drücken, indem sie versucht, Strom zu sparen.

Allein – oder auch nur teilweise – auf die Reduktion des Verbrauchs zu setzen, untergräbt diese Ziele. Denn es wird nur den Markt für Energieerzeuger schrumpfen lassen, und ein solcher Markt wird nicht in der Lage sein, die notwendigen Investitionen und Anstrengungen zu unternehmen.

Wofür auch? Kein rationaler Akteur investiert in einen Markt, den die Politik zur Verzwergung bestimmt hat.

Mining hält Anlagen lukrativ

Wenn man dem Narrativ des Stromsparens anhängt, wird man Bitcoin-Mining unweigerlich ablehnen und darin nicht mehr als ein Hindernis der Energiewende erkennen. Jede Kilowattstunde, die fürs Mining draufgeht, ist eine zuviel.

Folgt man dagegen der Vision von unendlich viel grüner Energie, wird Bitcoin-Mining fast von selbst zum nützlichen Instrument. Wie, hat beispielsweise ein Paper von Square beschrieben, oder auch eine Analyse der Hochschule Mittweida, die aufzeigt, wie Mining Windkraftanlagen erhält, die nach Auslaufen der EEG-Förderung unrentabel wurden.

Es geht hierbei um ein Prinzip – um das Prinzip des strategischen Verbrauchs. Wenn man dieses Prinzip anerkennt, erfolgen Dutzende von Szenarien, in denen das Bitcoin-Mining helfen kann, die Energiewende zu vollenden.

Beginnen wir mit der Windkraftanlage in Thüringen. Das Paper eines Forschers der Hochschule Mittweida hat aufgezeigt, wie Bitcoin-Mining eine nach Auslaufen des EEGs unprofitabel gewordene Anlage hochprofitabel macht. Natürlich liegt der Hund im Strommarkt begraben. Denn der Betreiber der Windkraftanlage bekommt nur rund 3 Cent je Kilowattstunde. Die restlichen 27 Cent oder 90 Prozent, die zwischen ihm und dem (damaligen) Strompreis für Privatverbraucher liegen, gehen für Mittelsmänner, Gebühren, Abgaben und Steuern drauf. Wenn die Politik nur dafür sorgen würde, dass der Betreiber 50 Prozent von dem bekommt, was der Verbraucher bezahlt, wäre die Energiewende vermutlich in wenigen Monaten abgeschlossen.

Aber natürlich ist diese dringend notwendige Zerschlagung des Geschwülstes von Kartellen und Steuern ein dickes Brett, an dem selbst Politiker, die es wirklich ernst meinen, lange bohren müssen. Wenn man nicht will, dass bis dahin alle so mühsam aufgebauten und durch die EEG-Umlage finanzierten Windräder und Photovoltaik-Anlagen verrosten, muss man dafür sorgen, dass sie rentabel bleiben.

Die Lösung wäre hier das Mining von Bitcoin.

Mining hilft, neue Anlagen aufzubauen

Ein anderes Problem der Energiewende ist, dass die Orte, an denen Platz für große Windparks oder Photovoltaik-Farmen ist, oft nicht die Orte sind, an denen die Industrie sitzt, die die Energie dankend abnimmt. In Deutschland ist dies der klassische Unterschied zwischen Brandenburg und Bayern: Dort gibt es einen Überschuss an grünem Strom, dort einen Mangel; hier weiß keiner wohin mit dem Windstrom, dort braucht man weiterhin Kohlestrom.

Dies könnte sich ändern, wenn es einmal breite Stromtrassen gibt, die den Strom aus dem nordlichen Flachland in den Süden bringen. Aber was tun, bis es soweit ist? Derzeit stockt der Ausbau der Windenergie in Brandenburg. Es werden weniger neue Anlagen eingerichtet, während immer mehr abgeschalten werden, weil sie unrentabel sind. Es gibt Hinweise, dass die Energiewende in Brandenburg nicht nur stockt, sondern sich rückwärts bewegt. Die Investitionen in Windkraft kollabieren förmlich.

Natürlich gibt es verschiedene Gründe dafür, etwa Widerstand von Anwohnern, Klagen und komplexe bürokratische Prozesse und Auflagen. Auch der generelle Widerstand in Bayern gegen die „Stromautobahn“ behindert den Ausbau erneuerbarer Energien.

In einer solchen Gemengelagen kollabieren die Investitionen in Windkraft. Verständlicherweise. Die Kosten explodieren, die Profitabilität stagniert, ist rückläufig und nach Ablauf der EEG-Umlage meist nicht mehr gegeben, solange die Windparks nicht durch eine Stromtrasse an den Süden angebunden sind.

Die SuedLink-Stromtrasse soll 2026, vielleicht auch erst 2028, fertig sein. Was tun bis dahin? Den Ausbau der Windkraft solange stocken lassen, die alten Windkraftanlagen verschrotten?

Das Bitcoin-Mining könnte helfen, die Windparks lukrativ zu erhalten. Der Betrieb würde sich lohnen und sogar genügend Überschüsse abwerfen, damit die Betreiber die erneuerbaren Energien weiter ausbauen. Das Bitcoin-Mining könnte Investitionen in Wind- und Photovoltaik ermöglichen, bevor die Stromtrassen gebaut sind, die nötig wären, um die Anlagen profitabel zu machen – und das ganz ohne EEG-Umlage.

Mining könnte so auch den Ausbau von Windparks im Meer oder Photovoltaik-Farmen im Ödland beschleunigen. Bisher stecken diese in einer Art Teufelskreis: Wo kein Abnehmer, da kein Produzent, und wo kein Produzent, da kein Netzanschluss. Bitcoin-Mining könnte den Impuls geben, diese Zwickmühle zu durchschlagen.

Mining baut Überschüsse ab

Darüber hinaus müssen wir noch kurz über die Volatilität erneuerbarer Energien reden. Windkraft und Photovoltaik sind hochgradig volatil. Mal weht der Wind, mal steht er still, mal scheint die Sonne, mal ist es Nacht. Um den Strombedarf zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien zu decken, braucht es gewaltige Überschüsse. Es braucht in Spitzenzeiten vermutlich 200, oder gar 300 oder 400 Prozent des im Durchschnitt produzierten Stroms.

Speicher und Stromtrassen sind ein Teil der Lösung. Aber aufgrund der hohen Kosten, des Verschleisses, der teilweise hohen Verluste und des nicht eben immer umweltfreundlichen Materialverbrauchs sind sie nicht die ganze Lösung. Und selbst wenn braucht es viel Zeit, genügend Speicher anzuschaffen und zu installieren.

Das Bitcoin-Mining kann als ökonomischer Speicher dienen. Es kann helfen, die ansonsten unlukrativen Kapazitäten für den notwendigen Überschuss aufzubauen, diesen Überschuss zu erhalten und auch profitabel abzubauen. Es ist, wie gesagt, nicht das Allheilmittel hierfür, aber als Teil der Lösung möglicherweise unverzichtbar.

Mining als strategischer Verbraucher

Insgesamt ist es schwer, zu sagen, Mining könnte der Energiewende NICHT helfen. Es so gänzlich ohne weitere Begründung zu sagen, wie Joachim Schuster, ist nicht wirklich überzeugend.

Wer Interesse an einer gelungenen Energiewende hat, sollte beginnen, das Bitcoin-Mining zu begrüßen – und zwar als einen strategisch einsetzbaren Verbraucher.


Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder

Christoph hat vor kurzem sein zweites Buch veröffentlicht: „Das Bitcoin-Kompendium: Netzwerk und Technologie“. Es ist eine überarbeitete Auslese seiner besten Artikel für dieses Blog. Ihr könnt das Kompendium direkt auf der Webseite Bitcoin-Buch.org bestellen – natürlich auch mit Bitcoin – oder auch per Amazon.

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Quelle: BitcoinBlog.de

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